Vorfreude ?

Nur noch wenige Tage bis es los geht. Mir fallen immer wieder Dinge ein, die ich unbedingt mitnehmen muss. Keine Ahnung ob ich das Zeug wirklich brauche. Erfahrungsgemäß braucht eh man immer das, was man gerade nicht mit hat.

So stapelt sich so langsam alles mögliche im Wohnzimmer. Irgendwie muss ich aber noch priorisieren, der Stauraum auf der gecharterten Sportina 680 ist ja ziemlich begrenzt.

Aber auch die Vorfreunde wird stärker. Vorfreude ? Ist es wirklich nur Vorfreunde ? Wenn ich genau in mich rein höre ist da auch einiges an so einer Art Nervosität.

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Wie wird es sein, so ganz alleine auf dem Boot ? An den Abenden ? Beim Essen ? Mit wem kann ich meine Erlebnisse des Tages teilen ? Vor den Segelmanövern habe ich keine Sorge. Wenden, Halsen, Reffen, Ausreffen und Beidrehen mache ich sowieso oft alleine. Aber bei den Hafenmanövern konnte ich mich bisher immer auf meine eingespielte Familiencrew verlassen. Wenn es kritisch wurde, konnte ich mich voll und ganz auf das Steuern und den Überblick über den Ablauf konzentrieren.
In meiner Heimatbox auf dem Steinhuder Meer, wo ich meistens alleine unterwegs bin, ist das An- und Ablegen kein Problem. Auf bei viel Wind der „falschen Richtung“ habe ich immer noch meine passend abgelängte Achterleine die ich nur über den Dalben werfen brauche. Während das Boot noch Fahrt macht, lässig auf den Seitensteg übersteigen und das Boot mit der Hand zur Vorleine bugsieren. Das sind so meine Einhand Erfahrungen im Hafen.
Jetzt eine völlig andere Situation: keine helfende Hand, in unbekannten Häfen, mit einem unbekannten Boot.IMG_0889.JPG

Aber ist es nicht genau das, weshalb ich die Tour alleine machen will ? Erleben wo meine Grenzen sind. Nur für mich alleine entscheiden was und wie ich es mache. Dann losfahren und ankommen, wann ich möchte. Auch mal vor dem Frühstück ablegen und in den Sonnenaufgang oder -untergang segeln.

Vorfreude ? Ja, es ist Vorfreude !!!

 

 

Friesland ? Ijsselmeer ?

IMG_3656_bearbeitet-1Die Region rund um das Ijsselmeer hat seit einiger Zeit für mich die Ostsee als bevorzugtes Segelrevier abgelöst. Kleine schnuckelige Orte, die Chance bei Wetteränderungen schnell mal das Ziel der Etappe zu ändern und die entspannten Vercharterer die ich kennenlernen durfte sind für mich nur einige Punkte für die Veränderung.

Ich finde, man hat auf dem Ijsselmeer nur selten das Gefühl wirklich „Binnen“ zu segeln. Man kann problemlos Tagesetappen von 25 bis 30 Meilen absolvieren aber auch nur einen kurzen Trip in den nächsten Ort. Ideal also für Familien bei denen der Nachwuchs gerne auch mal anfängt zu quengeln, wenn es langweilig oder ungemütlich wird. Bei 6-7 Beaufort baut sich jedoch schnell eine kurze steile Welle auf, die nicht angenehm ist. Die Chance, schnell im Hafen zu sein ist manchmal Gold wert.

Segeln Ijsselmeer 2014 (368)

Eine ganz andere Erfahrung als bei Touren auf der offenen See ist das Segeln auf Kanälen . Wer es noch nicht getan hat erkennt man an dem manchmal ungläubigen Lächeln. Lautlos zwischen Feldern auf dem Wasser zu gleiten ist eine ganz andere Dimension der Fortbewegung und des Naturerlebnisses.
Die vielen alten schönen Holzboote tun ihr übriges um sich auf jeden Törn zu freuen.

Während in Deutschland noch immer über die Führerscheinfreiheit für Sportboote diskutiert wird, ist sie in unserem Nachbarland Realität. Völlig ahnungslos sollte allerdings keiner ein Boot mieten, aber das gilt für andere Reviere ja auch. Bislang habe ich noch nix davon gehört, dass auf dem Ijsselmeer mehr Schäden an Leib, Leben oder Booten entstehen als in anderen Revieren.

Vielleicht sind die Friesischen Meere und das Ijsselmeer gerade deshalb besonders geeignet für mein erstes Mal „Einhand“ ?!?

IMG_4102_bearbeitet-1Nach Jahren mit einer Reihe von Familientörns auf der Ostsee, dem Mittelmeer und dem Ijsselmeer will ich für mich die Herausforderung wagen, alles alleine an Bord zu regeln. Ohne die Anlegemanöver mit meiner eingespielten Familiencrew. Auch bei unangenehmen Bedingungen das Boot alleine beherrschen.

Was mich vor allem reizt: Jeden Tag alleine zu entscheiden wo und ob es irgendwo hingeht. Die Natur an stillen Liegeplätzen in Friesland abseits von Häfen genießen und mit mir, der Natur und dem Boot alleine zu sein. Zumindest die Illusion davon, denn wirklich außerhalb der Zivilisation ist man dort nicht wirklich.

Respekt habe ich vor allem vor den An- und Ablegen. Auf meiner Heimplatz auf dem Steinhuder Meer habe ich eine feste Achterleine, die mich in Ernstfall kurz vor dem Steg stoppt. Aber hier ? Unbekannte Liegeplätze bei womöglich ungünstigen Windverhältnissen werden meinen Blutdruck wohl steigern. Aber ich will die Herausforderung annehmen.

In den nächsten Tagen und Wochen möchte ich hier meine Gedanken und Erlebnisse während der Vorbereitung und während des Törns berichten.

Kommentare und Tipps sind immer willkommen..auf geht’s in mein persönliches Abenteuer….