Bis 8 habe ich tief und fest geschlafen. Die Ruhe macht müde, angenehm müde.
Um 9.30 Uhr habe ich die Leine zur Boje einholt und mich auf den Weg gemacht. Das Tagesziel ist Leeuwarden, die Hauptstadt der Friesen mit 90.000 Einwohnern.
Zunächst führte mich mein Weg aber durch die Krumme Ie. Eine kurvige Strecke durch Schilf. Gesäumt von vielen kostenlosen Anlegeplätzen der Marekrite, einem Verein, der Anlegeplätze in freier Natur aufbaut und pflegt. Eine tolle Idee, die man durch den Kauf einer Flagge für 15€ unterstützen kann. Beim nächsten Mal ist das hier bestimmt auch eine Alternative. Heute will ich aber Richtung Prinsenhof fahren, einem Teil des Naturschutzgebietes Oude Venen was zu deutsch „altes Moor“ bedeutet.
Zunächst fahre ich aber eher am Rand des Gebietes über den Fokkesleat am
Campingplatz und Ferienpark Earnewoude vorbei. Der Kanal wird nicht nur von Freizeitbooten sondern auch der Binnenschifffahrt auf dem Weg zum Prinses Margriet Kanal genutzt.
Nachdem ich den Prinses Margriet Kanal gekreuzt habe, geht es weiter nach Wartena einem schönen kleinen friesischen Ort. An der zweiten Brücke passiert es dann: ich gebe Gas um zügig durchzufahren als die Brückenwärterin mir den Holzschuh an der Angel für das Brückengeld zuwirft. Mist !
Habe ich nicht mit gerechnet. So bleibe ich die 2€ mit einem bedauerdem Blick und einem „Sorry“ schuldig. Mit einem empörten Blick antwortet sie „next time“. So richtig habe ich noch nicht begriffen, welche Brücken man zahlen muss und welche nicht.
Weiter geht es über das Aquädukt Langdeel. Super. Mit dem Boot über die Autobahn hinweg. In Deutschland kenne ich das nur mit Rollbahnen von Flughäfen die über Autobahnen verlaufen.

Auf der weiteren Strecke finde ich drei leere Marekrite Stege die ich nutze um das Anlegen längsseits alleine zu üben. Achterleinen über den Poller und dann langsam vorwärts Gas geben. „Dann kannst Du in Ruhe die Vorleine festmachen“ gab mir der Vercharterer als Tipp fürs Einhand fahren mit auf den Weg. Beim dritten Mal hat es dann auch geklappt, vorher war ich einfach zu schnell. Bis auf schwarze Streifen vom Abrieb des Holzsteges ist zum Glück nichts weiter passiert. Besser so üben als im Ernstfall Panik bekommen.
Dannn naht auch schon Leeuwarden.
Empfohlen wurde mir der Prinsentuin.Dafür muss ich aber einmal um die ganze Stadt herumfahren. Insgesamt sind acht Brücken zu passieren. Also entscheide ich mich für den Jachthaven. Ein Fehler, wie ich kurz nach dem Passieren der ersten Brücke dorthin feststelle. Ich befinde mich mitten in einem Industriegebiet inklusive einem widerlichen Gestank. Als ich dann den Jachthaven erreiche und mir dieser auch eher suspekt erscheint, drehe ich um. Es ist erst Mittag und ich mache mich auf durch die acht Brücken. Läuft auch, bis auf eine Eisenbahnbrücke die erst zwei Züge passieren müssen, problemlos. Man fährt auf die Brücke zu und bekommt schnell das rotgrüne Signal für die Vorbereitung der Durchfahrt. Aber auch hier wieder: Gestank, Industrie und Recyclingbetriebe. Dazu noch Baustellen an Brücken und Lärm. Ich beginne zu zweifeln, ob meine Entscheidung richtig war. In der Stadt selbst ebenfalls Straßenlärm und die entsprechenden Ausdünstungen. Als dann an der vorletzten Brücke noch sage und schreibe 7€ kassiert werden ist meine Stimmung weit unten. Dann aber der Prinsentuin. Eine Art Wallgraben mit hohen Bäumen und vielen freien Liegeplätzen. Wirklich hübsch und nach dem doofen Weg kaum erwartet.

Leider stand im Boot gleichzeitig noch Wasser, so dass ich auf den Vercharterer warten musste, der dann die defekte Warmwasserleitung schnell gefunden und repariert hatte. Nachdem das Boot trocken gelegt war konnte ich unter die dringend notwendige Dusche. Der folgende Stadtbummel fiel kurz aus, begeistert hat mich die Stadt nicht. Ich denke man kann Friesland auch besuchen, ohne in Leeuwarden gewesen zu sein.