Bereits der Morgen begrüßte mich mit Regen. Schade ! Gestern war es bis in den Abend hinein ein schöner Sommertag.
Vor dem Ablegen fiel mir dann aber noch ein das Kleingeld zu checken, denn ob die Brückenwärter mit ihrem Holzschuh an der Angel auf Geldwechsel eingestellt sind bezweifele ich. Ich ging davon aus, dass ich auch auf dem Rückweg wieder die 7€ berappen darf. Dazu wollte ich ja noch durch Warga fahren, wieder ein kleiner Ort der sich mit Schiffstouris das Gemeindebudget aufbessern will. Beides war ein Trugschluss wie sich herausstellen sollte.
Wie aber möglichst viel Kleingeld beschaffen? Am Besten durch einen strategischen Einkauf mit einem Wert von mehr als 5 aber weniger als 6 €. Wenn man dann mit einem 10 € Schein bezahlt, gibt’s genug Wechselgeld (okay, geht auch mit einem Einkauf bis 1 €). Gedacht, getan und zu „Jumbo“ gewandert. Dort etwas Kleinkram besorgt (z.B. Duftspray fürs Klo. Warum müssen die WCs auf Booten eigentlich immer muffig riechen ?)
Dann klar zum Ablegen! Ich habe mich direkt an ein vorbeifahrendendes Plattbodenschiff, eine Lemsteraak, gehängt. So sollte es bei der Brückenöffnung schneller gehen. Klappte in der City an den ersten vier Brücken auch super. Leider bogen meine Freiräumer dann ab nach Harlingen. Gleich vor der nächsten Brücke stand ich dann alleine. Die Zwettebrug auf dem van Harinxmakanal ist eine Kombination aus zwei Brücken. Eine für Autos und eine für den Zugverkehr. Während man in den Niederlanden kein Problem mit dem Anhalten des Autoverkehrs hat, scheint der öffentliche Bahnverkehr Vorrang zu haben. Nach dem vierten Zug und 30 Minuten warten öffnete sich die Brücke für mich. Mit mir zusammen wartete ein Motorboot. Nach 20 Minuten fiel dem Käptn dort ein, dass er locker unter der Brücke durchpasst…nachdem uns 3 etwas gleichgroße Boote entgegen kamen die auch drunter durchgefahren sind. Okay…muss man nicht verstehen. Die nächste Brücke war dann ebenfalls eine Eisenbahnbrücke mit entsprechender Wartezeit.
Die letzte Brücke von Leeuwarden schloss sich direkt vor mir hinter einem großen Binnenschiff von vorne. Der Brückenwärter gab mir ein Zeichen, dass es fünf Minuten dauern wird. HURRA ! Endlich Zeit für drängende Erledigungen. Nach 2 Stunden hatte ich dann alle acht Brücken der Stadtumfahrung hinter mich gebracht und folgte der „Nieuwe Stande Mastroute“ Richtung Warga. Bezahlen musste ich übrigens nichts….ich werde die Logik der Brückenkosten wohl nie durchblicken. Vieleicht hatte der gute Mann an der Bezahlstation auch einfach Mitleid wegen dem Schietwetter.
In Warga wählte ich die Strecke durch den Ort und nicht die Ortsumgehung. Stand doch dort in großen Buchstaben „Brug gratis“. Kurze nach dem Abzweig zur Ortsumgehung stand aber auch was von engem Fahrwasser. Das war nicht untertrieben. Etwa 4,5 m waren es wohl an der engsten Stelle…diese war leider direkt vor der Brücke. Die Brücke hatte allerdings Mittagspause, doch zum Glück nur noch 5 Minuten. Am Ufer standen allerdings an jedem Grundstück Schilder mit „Aanlegen verboden“. Direkt vor der Brücke fand ich an der Außenterasse einer Pizzeria eine schmoddrige Leine, die ich um meine Achterklampe schlingen konnte. Dummerweise wollte der Brückenwärter erst das für den Ort überdimensionierte Motorboot auf der anderen Seite durchlassen. Okay, also rückwärts durch die enge Gasse, bei 5 Bft von der Seite.
Zwei weitere Brücken erwarteten mich in Grou wo ich auf den Prinses Margriet Kanal einbog. Die eigentlich geplante Tour über Akkrum ließ ich fallen, weil dort noch mehr Brücken warteten von denen ich mir nicht sicher war, ob sie zu öffnen sind.
Die erste Brücke auf dem Kanal war dann wieder eine für Eisenbahnen, die sich wie gewohnt direkt vor mir schloss. Nach 30 Minuten durfte ich dann weiter.
Nachdem ich die, zum Glück zurzeit offen stehende, Schleuse Terherne passiert hatte, empfing mich das Sneeker Meer mit Wellen und Windstärke 7. Alle von mir geplanten Marekrite Plätze lagen ungeschützt und noch dazu im flacheren Wasser. In der Nähe vom Jachthaven Sneekermeer fand ich aber 2 Bojen, die einigermaßen geschützt lagen. Mir gelang es eine einzufangen und fest zu machen. Ein ruhiger Liegeplatz ist anders, aber für die eine Nacht wird es wohl gehen. Alleine Anlegen in einem Hafen ist bei dem Wind auch kein Vergnügen.
Am Abend lässt der Wind nach und sogar die Sonne lässt sich mal blicken. Ein versöhnlicher Abschluss nach 13 Brücken, Sturm und Regen.
