Schlag 9 Uhr wurde die Autobahn 7 mit Schranken gesperrt und für uns (und zwei Motorboote) öffnete sich die Brücke von Bolsward. Alle drei bogen wir rechts auf den Kanal in Richtung Workum ab, dem wir aber nur bis zum Abzweig nach Makkum folgen wollten. Die folgenden drei Brücken öffneten sich wie so oft noch während wir uns ihnen näherten. Die Auswirkungen auf den Straßenverkehr waren aber ungleich geringer: es gab zwar Straßen aber kaum Autos.
Nach etwa zwei Stunden erreichten wir die Schleuse zum Ijsselmeer und die dunklen Wolken erreichten uns. Bereits Morgens hatten wir aufgrund des Wetterberichtes und einem Blick in den Himmel gezweifelt, ob wir unseren Plan über die Schleuse des Abschlussdeiches und die Nordsee nach Harlingen zu fahren, wirklich angehen wollten. Angekündigt war Regen und Wind aus Nord, also genau gegenan. Das sah gestern in der Wettervorhersage noch anders aus: Sonne, Wind aus West in Stärke 3. Perfekte Bedingungen um das Segeln auf der Nordsee auszuprobieren. Zumal auflaufendes Wasser war und wir mit Gegenstrom rechneten.
Kurz vor der Schleuse konnte man erkennen, dass die Wolken überwiegend an uns vorbeizogen. Also wagten wir es !
Die Schleusung verlief problemlos und die Nordsee begrüsste uns mit 5 Bft und einer Welle, die auch am Steinhuder Meer bei der Windstärke nicht höher ist. Also alles Bestens für die etwa 7 Meilen lange Strecke. Einen kurzen Versuch zumindest mit Vorsegel zu segeln mussten wir aufgrund der Windrichtung leider abbrechen, aber der Motor und die Strömung des auflaufenden Wassers (also kein Gegenstrom) schoben uns mit 7,5 Knoten Richtung Harlingen. Einige der Boote, die mit uns in der Schleuse waren, bogen vor der Hafeneinfahrt nach Backbord in Richtung der Inseln ab. In Harlingen waren wieder zwei Brücken zu passieren bevor wir im Noorderhaven ankamen. Es war erst 13 Uhr, so dass von der im Reiseführer angekündigten Überfüllung noch nichts zu sehen war. Aber auch den Rest des Tages gab es noch immer freie Plätze.
Das Anlegen war wieder eine neue Herausforderung in dem gezeitenabhängigen Hafenbecken. Senkrechte Stangen an der Spundwand waren prima geeignet um die Vor- und Achterleine aufzunehmen und den nötigen Ausgleich für die etwa 1,5 m Tidenhub zu bieten.
Harlingen selbst ist eine wirklich schöne friesische Kleinstadt. Das Flair ist allerdings schon eher das eines Nordseebades und nicht einer Stadt im Hinterland, wie z.B. Bolsward. Harlingen lag aber nicht immer am Meer, sondern wurde erst im Laufe der Jahrhunderte durch Landverluste zur Hafenstadt. Also ganz anders als andere Städte in Friesland oder Noord-Holland. Hier sind einige Küstenstädte und sorgar Inseln (wie Urk) durch Landgewinnung zu Binnenstädten geworden. In Harlingen ist es eine andere Welt. Hier sind im Hafen übrigens die Segler wieder klar in der Überzahl.
Auf der Tour heute sind für mich zwei weitere Projekte klar geworden: bei ablaufendem Wasser auf einer Sandbank trocken fallen (zumindest tagsüber) und Besuche der Inseln im Wattenmeer. Auch wenn die Nordsee sicher nicht immer so ruhig wie heute ist.