Aufbruch

Die letzte Nacht vor der Abfahrt war ruhiger als gedacht. Eigentlich hatte ich erwartet mich stundenlang in den Schlaf zu wälzen. Habe aber gut und tief geschlafen.
Ein kurzer Besuch am Strand gehört vor dem Frühstück einfach dazu.

Fast pünktlich um 10:30 Uhr legten wir ab, trotz der angekündigten Winde mit 6 und Böen in 8. In Grömitz war alles ruhig, also los !

Wie üblich änderte sich bei Dames Höved das Wetter schlagartig !
Windstärke 6 mit den angekündigten 7er Böen blieben für die nächsten Stunden bis zur Südspitze Falsters unsere Begleiter. Ab Höhe Fehmarnsund stieg auch die Wellenhöhe auf über 2 Meter mit der für die Ostsee üblichen kurzen Wellenlänge. Knapp gesagt: kurze und spitze Wellen, die einen permanent Fahrstuhl fahren ließen.

Dafür waren wir erheblich schneller als gedacht: mit 7 Knoten rauschten wir durch die aufgewühlte Ostsee bevor wir kurz hinter Gedser nach 6 Stunden Richtung Norden abbogen. Hier beruhigte sich das Wasser schnell, der Wind blieb. Für das Abendessen haben wir das Boot kurz beigedreht, so dass wir in Ruhe eine schnelle Nudelmahlzeit zu uns nehmen konnten: Fertignudeln mit heißem Wasser übergossen. Naja..kulinarisch geht anders.

Weiter über die Ostspitze von Mön Richtung Kopenhagen. Gegen Mitternacht war es mäßig dunkel, nur im Norden sah man durch das rötliche Schimmern am Horizont, dass die Sonne nicht wirklich weg war.

Das Highlight der Nacht war der Aufgang der Sonne, die sich über den nordöstlichen Horizont traute, als wir gerade vor der Öresund-Brücke, der Verbindung zwischen Kopenhagen und Malmö waren. Ein traumhafter Moment.

Sonnenaufgang an der Öresundbrücke

Kurz hinter Kopenhagen begann dann der eklige Teil der bis dahin zwar ruppigen aber schönen Tour.
Alles, was der Segler überhaupt nicht braucht auf einem Haufen: kräftiger Wind aus dem Kattegatt von vorn in den Öresund, dazu eine heftige Welle und viel Berufsschiffahrt, der es völlig wurscht ist, ob ein Segler da raus will.

Satte 2 Stunden und eine Unzahl von Flüchen hat uns diese Etappe gekostet ! Mit Motor auf die Welle aufzufahren, wie wir es einige Zeit probiert haben, war keine Option. Jedes Mal wenn das Boot wieder 2 Meter von der Wellenspitze in die Tiefe fiel krachte es im Deck, dass es mir körperlich wehtat. Also Segel setzen und kreuzen. Das Boot lag zwar ruhiger, aber die schnell fahrenden Frachter zwangen uns ständig zum Richtungswechsel: sie sind nun mal stärker.

Halbinsel Kullen….
…so schön Du aussiehst, Du hast uns viel Kraft gekostet

Im Kattegatt nördlich von Seeland wurde es nicht besser: hier konnten wir zwar der Berufsschiffahrt ausweichen, dafür mussten wir an der Landspitze der schwedischen Halbinsel Kullen vorbei: auch die lag natürlich direkt in Windrichtung, so dass wir erst nach mehreren Kreuzschlägen in unangenehme hoher Welle dran vorbei kamen.

In dem Moment fiel der Entschluss, nicht bis Göteborg durchzufahren, sondern einen Zwischenstopp einzulegen. Nach 200 gefahrenen Seemeilen (ca. 360 km) und 33 Stunden machten wir um 19:00 Uhr gegenüber einer Werft und einem Getreidesilo in Falkenberg fest. Es gibt erholsamere Orte, aber die im Liegegeld eigeschlossene warme Dusche kompensierten einiges.

Idyllischer Liegeplatz in Falkenberg

Am nächsten Morgen ging es bei angenehmen Wind auf die restlichen knapp 60 Meilen Richtung Göteborg. Wechselhafter Wind und wechselhaftes Wetter mit Regen begleiteten uns auf dem Weg. Nach Regenklamotten auf den ersten 2/3 der Strecke war es am Ende die kurze Hose bei strahlendem Sonnenschein. So soll es sein 🙂

Nach 7,5 Stunden lag dann das Ziel der Anreise vor uns: der Göteborger Schärengarten.
Eine faszinierende Landschaft, schroff aber idyllisch, begrüßte uns. Die Vorfreude auf die kommenden Wochen steigerte sich. Felsen im Wasser, davor in völliger Einsamkeit einzelne Yachten vor Anker, aber auch hübsche rote Holzhäuschen in kleinen Siedlungen. Genau deshalb sind wir hier !

Ankunft im „Schärengarten“

Vorläufiges Ziel: der Yachthafen „Langedrag“ an der Mündung der Göta. Ein Idyll mit Straßenbahnschluss in die Stadt, aber weit genug draußen zum Entspannen. Hier werden wir für 2 Tage bleiben und freuen uns auf die Erweiterung unserer Crew um für zunächst 3 Tage die Schären zu erkunden.

Gespannte Vorfreude

Nach vielen schönen, aber auch relativ normalen, Törns in den letzten Jahren soll es dieses Jahr wieder etwas Besonderes sein. Das Revier ist seit 2 Jahren wieder die Ostsee, das Boot nicht mehr gechartert sondern eine eigene Bavaria 31 Cruiser.

Die eigentlich seit vielen Jahren geplante große Ostsee-Runde mit dem Baltikum, St. Petersburg, den Aland-Inseln, Haparanda und dem Göta-Kanal muss aus vielen Gründen warten. Auch die „kleine“ 3-Monatsrunde über Polen, Bornholm, Öland, Aland-Inseln und den Göta-Kanal ließ sich nicht realisieren.

Als zumindest kleiner Ersatz wird es für wenige Wochen in den westschwedischen Schärengarten vor und nördlich von Göteborg gehen. Als nördlichstes Ziel ist Smögen in der Nähe von Kungshamn vorgesehen. Von dort aus geht es dann in kleinen Etappen weiter südwärts zurück bis zu unserem Liegeplatz in der Lübecker Bucht.

Die erste Etappe wird die 250 Seemeilen lange Überführung aus der der Lübecker Bucht nach Göteborg sein. Dort wird dann unsere Crew vervollständigt, wenn uns das Flugchaos keinen Strich durch die Rechnung macht.

Für die Überführung haben wir 2 Varianten: eine über den Großen Belt und Anholt mit langen Strecken über freien Seeraum und eine an Kopenhagen vorbei in relativer Küstennähe.

Für beide Routen werden wir etwa 2 Tage benötigen. Welche es wird, entscheidet sich kurzfristig anhand der Wetterlage.

Soweit die Theorie !

Für die Praxis heißt dies, mit einer Zweimann-Crew 48 Stunden durchweg zu segeln. Zumindest für uns eine Herausforderung, waren doch die längsten Strecken bislang 50 bis 60 Seemeilen in 10 Stunden.
Themen wie
– Wer kümmert sich wann ums Boot ?
– Kommen wir auf See überhaupt zum Schlafen ?
– Welche Ausrüstung brauchen wir ?
…und weitere
erhöhen die gespannte Vorfreude auf eine wunderschöne Tour in wunderschöner Natur.

Noch 11 Tage…..

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