Klädesholmen

Nach dem Frühstück mit frischen leckeren frischen Brötchen und Zimtschnecken aus dem Shop am Hafen von Fiskebäckskil mussten wir zunächst tanken. Es standen 3 Tage mit Wind aus Süd vor uns, also die Richtung, in die wir wollten. Kreuzen war für mich in den teils engen Schärengewässern keine wirkliche Option.
Vorläufiges Ziel sollte die Insel Stora Dyrön sein, etwa 28 Meilen entfernt. Reserviert hatten wir nicht, aber im Umkreis gibt es laut Harbour Guide einige Häfen und Ankerbuchten als Alternative.
Nach der Abfahrt fanden wir uns in einem Verkehr wie in einer Großstadt zu Feierabend wieder. Viele Segler unter Motor und beim Kreuzen, Motorboote in allen Geschwindigkeitsklassen kreuz und quer. Es war etwas anstrengend.

Nach einigen Meilen entschieden wir uns, das enge Fahrwasser zwischen den Schären zu verlassen und hoch am Wind außerhalb der Schären zu segeln. Allerdings war es immer hart an der Grenze der Möglichkeit, oft kam der Wind nach kleinen Drehern doch von vorne. Mehrere Male wechselten wir vom kreuzenden Segeln zum Motor.

Je weiter wir südlich kamen, desto mehr nahmen der Wind und auch die Welle, die hier ungebremst aus dem Skagerrak kommt, zu. Dazu kam dann noch ein leichter Regen. Wind und Wellen von vorne, Regen und Motorfahrt sind keine Bedingungen, die wirklich Spaß machen. Es geht nur darum, möglichst schnell durchzukommen. Wäre bei den Bedingungen die Fahrt „unter Land“ doch besser gewesen ? Bei dem vielen Verkehr wohl weniger ruppig, aber nicht wirklich entspannter.

Wir nahmen deshalb den ersten erreichbaren Hafen um nach einem möglichen Liegeplatz zu schauen. Wir hatten tatsächlich Glück, nachdem wir die enge Einfahrt der Insel Klädesholmen passiert hatten, fanden wir dort noch einige freie Plätze.

Lage der Insel Klädesholmen

Das Hafenbecken wird durch die Insel selbst und ihre Nachbarinsel Koholmen gebildet. Die Insel hat eine lange Fischfangtradition bis ins 16. Jahrhundert, doch vor allem im 19. Jahrhundert war Klädesholmen ein Zentrum der Heringsverarbeitung. Laut Chronik war hier der Hering das, was am Klondike das Gold war: Arbeit und Einkommen für viele Menschen, aber auch die Hoffnung auf Reichtum.
Wir lernten aus den Hafeninformationen, dass es hier auch heute noch einige Fabriken zur Heringsverarbeitung gibt. Die Produkte werden nicht nur im Fabrikverkauf und dem örtlichen Supermarkt angeboten sondern die Marke „Klädesholmen“ produziert für sämtliche IKEA-Fillialen weltweit. Klädesholmen stellt die Hälfte der schwedischen Produktion an Heringskonserven her. Was man nicht alles lernt, wenn man unverhofft einen unbekannten Hafen anläuft ! Während wir vor wenigen Stunden dies noch nicht ahnten, fanden wir uns schnell im Supermarkt mit einer größeren Auswahl der hier hergestellten Konserven im Einkaufswagen wieder.
Nach der Rückkehr vom Supermarkt nahm der Wind weiter zu und es begann heftig zu regnen. Der Rest des Abends fand also unter Deck bei neuen Kartoffeln, geräuchertem Lachs, Schmand mit Dill und einer Packung Heringshappen statt.

„Werksverkauf“ im örtlichen Supermarkt
Hafentag-Wetter

Die ganze Nacht hindurch stürmte es weiter mit Windstärke 5-6 und 7er Böen. Weil es am Morgen zunächst nicht wirklich besser war, entschieden wir uns zu einem Hafentag auf dieser Insel. Wir hatten zwischenzeitlich herausgefunden, dass es drei durch Brücken verbunde Inseln weiter, auf Tjörn, eine Sauerteigbäckerei gibt, die Mittags aus Pizza aus Sauerteig anbietet. Als es tatsächlich draußen heller wurde machten wir uns zu Fuss auf den Weg zu der 2,5 km entfernten Bäckerei „Lottas Bak & Form“.
Dort herrschte schon großer Andrang auf das dort gebackene Brot, Kuchen und natürlich die Pizza. Wir bestellten gleich den „Pizza-Lunch“ mit Pizza, Salat und Kaffee. Leitungswasser ist beim Essen ist in Schweden ja ohnehin enthalten. Für deutsche Gastronomen ist das häufig leider (noch) keine Option. Das der Salat nicht separat, sondern auf der extrem leckeren Pizza serviert wurde, war eine ungeahnte Variante. Auf der vegetarischen Pizza, die eher eine Art Flammkuchen war, fanden sich viele regionale Gemüsesorten bis hin zu Blütenblättern, die wir als Ringelblume identifizierten.
Natürlich erstanden wir auch noch ein kräftiges Sonnenblumenbrot und machten uns auf den Heimweg.

Pizza mit Salat

Mittlerweile kam auch mehr und mehr die Sonne raus, der Wind ließ nach und das eine oder andere Boot verließ doch noch den Hafen. Morgen werden auch wir weiterfahren, die Windrichtung bleibt uns wohl erhalten, aber trotzdem werden wir uns hoffentlich ohne Regen weiter Richtung Süden bewegen.

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