Was bleibt ?

Vier Wochen Segelurlaub an der schwedischen Westküste. Was bleibt an Erinnerungen?

Allem voran eine wunderschöne und immer wieder beeindruckende Landschaft. Karge Felsen und eine Vegetation, die sich den oft rauen Bedingungen angepasst hat. Bäume sind, wenn überhaupt vorhanden, meistens niedrig. Es dominieren Farne, Flechten, Heide und Büsche. Wer saftige Wiesen und üppige Wälder sucht wird hier wohl nicht glücklich. Wir fühlten uns oft an das Klima der irischen Westküste erinnert, auch wenn diese viel höhere Felsen hat.
Nautisch ist das Revier allerdings oft eine Herausforderung. Nicht jeder Stein, der aus dem Wasser guckt, oder auch kurz darunter ist, ist mit einem Seezeichen versehen. Oft erkennt man nur anhand der Karte und den sich mitten auf dem Wasser brechenden Wellen, dass dort ein Hindernis ist. Man wundert sich oft, dass man nur wenige Meter neben Felsen fährt und trotzdem mehr als 50 Meter Wassertiefe hat. Die tiefste Stelle, die wir gesehen haben, war 150 Meter, etwa 30 Meter neben dem Ufer.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, das Boot mittels mitgebrachter Stahlwinkel (sogenannte Schärenkanker) irgendwo in der (vermeintlichen) Einsamkeit fest zu machen. Dies setzt aber gute Revierkenntnis voraus, denn die „bekannten“ Stellen sind zumindest im Hochsommer meist überfüllt. Es gibt viele Häfen, aber nach einem anderen System als wir es aus Deutschland, den Niederlanden oder Dänemark kennen. Oft gibt es nur wenige Gastplätze, manchmal gar keine. Die sanitären Anlagen sind fast durchweg unterhalb des uns aus D, NL oder DK bekannten Standards.
Dafür sind die Liegegebühren um einiges höher je weiter nördlich man kommt. Da waren 26 € im Süden schon ein Schnäppchen. Es ging bis zum Doppelten und darüber hinaus. Aber da die raren Liegeplätze voll sind, bleibt einem nichts anderes übrig, wenn man in den Hafen will.
Wir sind zumindest an den „Hotspots“ wie Göteborg, Smögen und Marstrand mit der Vorreservierung (mit Aufpreis natürlich !!) gut gefahren. Teilweise waren diese Plätze Tage oder im Fall Göteborg auch Wochen im Voraus ausgebucht.

Die höheren Preise zeigen sich auch beim Essen im Restaurant oder sogar der Imbissbude. 15€ oder 16€ für ein Einfachstgericht wie Fish & Chips lassen sich in Deutschland selbst in Urlaubsregionen kaum durchsetzen. Ob die Preise im Supermarkt niedriger oder höher als in Deutschland sind kann ich nicht wirklich beurteilen. Es ist schwer, Urlaubsregionen miteinander zu vergleichen.
Teurer und schwerer zu beschaffen ist auf jeden Fall alles mit Alkohol>3,5 %. Wer abends gerne einen Wein als Sundowner genießt muss dies frühzeitig planen. Alkohol gibt es nur in den staatlichen Geschäften (Systembolaget) und diese gibt es nur in den größeren Orten. Wir haben nur in Göteborg und Malmö entsprechende Geschäfte gefunden.

Das „zur Sicherheit“ am Geldautomaten in Göteborg abgehobene Bargeld haben wir nicht benötigt. Im Gegenteil: oft war nur Kartenzahlung möglich oder wurde zumindest erwartet. Bewusst habe ich auch niemanden gesehen, der irgendwo bar gezahlt hat.

Aufwendig ist mit Sicherheit die Anreise, denn die 250 Sm aus der Lübecker Bucht nach Göteborg wollen erst mal absolviert sein. Bei 6 Knoten Fahrt sind es locker 2 Tage. Für unsere Zweimann-Crew war es gut, nach einer durchgefahren Nacht eine Nacht Pause im Hafen zu machen und am nächsten Tag ausgeruht die letzte Etappe zu absolvieren. Mehr Etappen mit Nachtpausen im Hafen hätten die Anreise nicht angenehmer gemacht. 5 Tage hintereinander jeweils 50 Meilen zu fahren macht nicht jedem Spaß. Verbesserungswürdig ist auf jeden Fall unser Schlafmanagement und Wachsystem. Zeitweise saßen wir nachts zu zweit an Deck, wo einer hätte schlafen dürfen, aber nicht schlafen konnte.

Es war eine rundum wunderschöne Reise auf eigenem Kiel mit vielen bleibenden Eindrücken und bestimmt nicht unsere letzte Tour in dieser Gegend, aber genauso reizt die schwedische Südküste, die Ostküste und der Göta-Kanal. Mal sehen wann, aber das wir dorthin fahren, ist das Ziel !

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