Aufbruch am Sonntag

Um 6:00 Uhr klingelt der Wecker. Soweit nicht ungewöhnlich, aber an einem Sonntag ?!?!

Wir wollen möglichst früh los, aber 33 % der Crew müssen unbedingt vor der Abfahrt noch duschen, Kaffee wird gekocht und der Skipper frühstückt noch. Letztlich ist es 07:15 Uhr bis der Motor angeht. Blöderweise beginnt scheinbar jetzt das Navi rumzuzicken. Keine GPS-Position !

So ein Mist, war doch schon eine Woche vorher ein zu geringer Vorschub bei Motorfahrt ein möglicher Scheiterfaktor für den Törn nach Schweden. Durch die Reinigung der Dieselfilter und vor allem der Schraube wurde dies erfolgreich gelöst. Das Navi heilte sich dann von selbst: nach 10 Minuten war auch die Position da, vielleicht waren die Satelliten einfach so früh noch nicht wach ?

So wie der Wind der eher schwach von achtern wehte. Während wir im letzten Jahr über Kopenhagen und den Öresund fuhren, sollte es diesmal über Langeland, den Großen Belt und Anholt nach Göteborg gehen. Den Plan, die südschwedische Küste anzulaufen hatten wir windbedingt verworfen.

Bis hinter Fehmarn ging es fast nur mit Motor, nur die Fehmarnsundbrücke konnte „ersegelt“ werden. Der Skipper wurde unruhig, denn für knapp 30 Stunden Motorfahrt war weder die Stimmung an Bord noch der Tank wirklich gerüstet. Aber dann kam der Wind mit dem Regen als ständiger Begleiter bis zur Großen Beltbrücke (Storebaeltsbron) die wir gegen 21:00 erreichten.

Abfahrt aus Grömitz

Bis zu einer Höhe von 18 Metern sollte man die westliche nehmen, wir haben 16 Meter.

Da wenig Schiffsverkehr herrschte wagten wir uns an die Hauptdurchfahrt. Es war wirklich beeindruckend und der Sonnenuntergang machte es nochmal schöner.

Während der Nacht nahm der Schiffsverkehr nördlich von Fünen bis hinter Samsö zu. Mehrere Kreuzfahrtschiffe auf dem Weg von Kiel nach Kopenhagen überholten uns. Die Fähren von Oslo und Göteborg nach Kiel kamen uns entgegen. Trotzdem hat die Nacht auf See immer einen schönen Reiz. Auch wenn es hier oben nicht stockdunkel wird sondern man immer eine leichte Helligkeit am nördlichen Himmel sieht, ist der Sternenhimmel(zwischen den Wolken) gut sichtbar. Ebenso einige Sternschnuppen. Bei moderatem Wetter und passendem Wind ist es einfach schön, auch wenn die Müdigkeit zehrt.

Am Vormittag kam dann in der Ferne die Insel Anholt in Sicht. Dazu Sonnenschein um die feuchten Klamotten zu trocknen. Herrlich, da macht die Fahrt gleich doppelt Spaß und die Hoffnung auf einen tollen Nachmittag auf Anholt motivierte zusätzlich.

Aber es würde nicht zu diesem Sommer 2023 passen ! Also kamen die ersten dunklen Wolken am Horizont auf und kurz vor Anholt fing es dann auch an zu schütten. Super !

Als wir kurz nach 12 auf Anholt anlegten war der Hafen noch gut gefüllt. Nur wenige Segler und Motorboote hatten sich raus getraut. Trotzdem bekamen wir problemlos einen guten Platz und hatten nach 171 Seemeilen, 29 Stunden mit 70 % Regen und Wind um 5-6 Beaufort von achtern wieder festen Boden unter den Füßen. Am Ende waren es nur ganze 7 Stunden mit Motor, die Befürchtungen vom Start also völlig unbegründet.

Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf machten wir uns auf den Weg um die Insel zu erkunden. Anholt ist etwa 22 Quadratkilometer groß und die dänische Insel mit dem größten Abstand zum Festland: 45 Kilometer bzw. 25 Seemeilen. Bornholm liegt zwar weiter von dänischen „Kernland“ entfernt, bis zur schwedischen Küste sind es aber nur 36 km.

Einen Großteil der Insel macht die unter Naturschutz stehende Heidelandschaft „Örkenen“ (dt. Wüste) aus. Sie ist ein Überbleibsel der Rodung großer Kieferwälder im 17. Jahrhundert. Die Insel ist außerdem durch zwei Erhebungen, den Nordberg (39 Meter) und den Südberg (48 Meter), geprägt.
Die zentrale Ortschaft ist ähnlich der auf den kleinen Inseln südlich von Fünen: Höfe, ein Supermarkt, einzelne Restaurants, eine Kirche und große Felder. Ein Highlight sind auch die langen Sandstrände, einer direkt neben dem Hafen gelegen.

Einen Großteil der Insel macht die unter Naturschutz stehende Heidelandschaft „Örkenen“ (dt. Wüste) aus. Sie ist ein Überbleibsel der Rodung großer Kieferwälder im 17. Jahrhundert. Die Insel ist außerdem durch zwei Erhebungen, den Nordberg (39 Meter) und den Südberg (48 Meter), geprägt.
Die zentrale Ortschaft ist ähnlich der auf den kleinen Inseln südlich von Fünen: Höfe, ein Supermarkt, einzelne Restaurants, eine Kirche und große Felder. Ein Highlight sind auch die langen Sandstrände, einer direkt neben dem Hafen gelegen.

Auf dem „Nordbjerg“ gibt es einen Wanderweg durch Heide und Gestrüpp zu einem Aussichtpunkt „Utsikten“ von dem aus man einen herrlichen Blick über die „Örkenen“ zum Leuchtturm und über das Meer hat. Vn dort aus ging es runter in den Ort. Vorbei an einem Restaurant und dem Supermarkt ging es durch eine hügelige Felderlandschaft zurück zum Hafen.

Am Mittag des nächsten Tages kehrten wir im Restaurant „Den game Oliegrund“ ein, wo wir schon am Vorabend ziemlich gut gegessen haben. Der Name heißt übrigens auf Deutsch „Zum alten Ölfeld“, warum auch immer.

Obwohl die Entfernungen auf den ersten Blick nicht groß sind, mieteten wir Fahrräder. Die freundliche Vermieterin machte uns noch kurz darauf aufmerksam, dass man die „Örkenen“ nicht befahren dürfte da es Naturschutzgebiet ist.

Wir hielten uns natürlich daran und fuhren die vorhandene Straße soweit es geht bis kurz vor den Strand. Zum Leuchtturm sind es noch einige Kilometer zu Fuß, die wir uns ersparten.

Stattdessen führte uns der Weg auf die andere Seite der Insel zum „Sönderbjerg“ von dem wir nach einem akzeptablen Aufstieg den tollen Ausblick genossen.

Nach einem kurzen Stopp beim Supermarkt gaben wir die Räder nach knapp 2 Stunden wieder ab und begannen uns ausruhend auf die Tour des Folgetages vorzubereiten.

Beim am Abend einsetzenden Regen grillten wir mit dem Gasgrill an Bord, denn am nächsten Morgen sollte es früh weiter nach Göteborg gehen.

Der Hafen von Anholt wirbt übrigens selbstbewusst damit, dass jeder Segler in seinem Leben einmal dort gewesen sein muss. Letztlich ist der Hafen aber wohl vor allem im Sommer oft überfüllt. Aufgrund der Witterung hatten wir Glück. Aber ja: die Insel ist wirklich schön, ob wir sie trotzdem mit tausenden von Seglern in den Sommermonaten erleben möchten ? Eher nicht.

Trotzdem glänzt der Hafen mit engagierten Mitarbeitern die versuchen jedem Boot noch einen Platz zu organisieren. Selbst bei strömendem Regen fuhr der Hafenmeister unermüdlich mit seinem Schlauchboot um neue Gäste einzuweisen. Die Sanitäranlagen sind gut und der Grillplatz mit großen Gasgrills sehr schön und praktisch.

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