Hamburgsund

Die Nacht war wieder unruhig. Das lag nicht nur an dem Nachbarboot, dessen Besatzung sich bis zum frühen Morgen laut unterhaltend mit diversen Bieren beschäftigte, sondern vielmehr an der Welle, die immer wieder seitlich auf unser Boot traf. Durch die Befestigung an Bug und Heck schaukelt wir mehr oder weniger ruckartig seitlich wie in einer Hängematte.

Am Morgen wartete dann die Herausforderung, dass die Vorleinen samt Schärennagel wieder einzusammeln und den Einsammler auch wieder an Bord zu bekommen. Das Boot war nach dem Lösen an Bug nicht mehr fixiert, sollte aber auch nicht gegen den Stein rammen und trotzdem einen möglichst geringen Abstand haben. Letztlich klappte alles besser als befürchtet und wir machten uns auf die etwa 11 Seemeilen kurze Strecke in Richtung Osten.

Unser Ziel war Hamburgsund, wo wir wieder einen Liegeplatz vorab gebucht hatten. Vorher wollten wir aber noch die Insel Stenholmen besichtigen. Dort gibt es einen alten Soldatenfriedhof, der nach der Schlacht am Skagerrak im ersten Weltkrieg angelegt wurde.
Dort findet sich das Grab des Schriftstellers Johann Willhelm Kinau, eher bekannt unter seinem Pseudonym Gorch Fock. Er wurde im Juli 1916 dort begraben nachdem der Kreuzer „SMS Wiesbaden“ in der Schlacht untergegangen war.
Leider fand unser Anker vor der Insel keinen Halt. Immer wieder pflügte er durch das Seegras, das sich beim Einholen jeweils im Anker fand. Schade, aber wir konnten den Friedhof wenigstens von See aus sehen.

Der Soldatenfriedhof auf Stenholmen
Der Grabstein mit dem Anker ist der von „Gorch Fock“

Die Einfahrt in den Hamburgsund war wieder sehr schön. Beidseitig säumten viele rote Bootshäuser das Ufer. Kurz vor dem Hafen kreuzte die Seilfähre auf die Nachbarinsel Hamburgö unseren Weg. Bis sie das jeweils andere Ufer erreicht hatte, konnte niemand den Sund passieren.
Der Ort selber und unser Liegeplatz ist eigentlich keiner weiteren Erwähnung wert. Es gibt viele neugebaute Ferienhäuser oder solche, die noch im Bau sind. Keine Spur von einem ursprünglichen Fischerort, eher von einem Ferienzentrum.

Neubauten in Hamburgsund


Der Name Hambursund hat übrigens nichts mit der Stadt Hamburg zu tun, sondern leitet sich angeblich vom Begriff „Hornbora“ ab, was soviel wie „die Horntragende“ bedeutet. In früheren Jahrhunderten soll sich hier ein Zentrum mit Gerichtssitz der Wikinger befunden haben.

Morgen geht es weiter südlich, so ganz langsam bewegen wir uns wieder auf unsere Heimat zu, auch wenn wir noch zwei Wochen Reisezeit vor uns haben.

Väderöarna

Die Inselgruppe Väderöarna umfasst etwa 360 Inseln unterschiedlicher Größe. Auf den miteinander verbundenen größten Inseln Storö und Ramnö befindet sich ein kleiner Hafen, ein Hotel mit Restaurant und der Turm einer ehemaligen Lotsenstation. Seit dem 18. Jahrhundert bis Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts war die Insel mit Lotsen und deren Familien bewohnt. Der Name Väderöarna bedeutet übrigens auf deutsch „Wetterinseln“.

Wir kamen gegen 1300 Uhr an, für einen Hotspot der von vielen Tagesgästen besucht wird, eigentlich zu spät. Trotzdem hatten wir Glück und bekamen noch einen Platz im Hafen. Der Hafenmeister war engagiert dabei die Boote ideal einparken zu lassen, so dass möglichst viele Boote in den engen Hafen passten. Wir bekamen dann auch eine größere schwedische Yacht als Nachbarn im Päckchen zugewiesen. Die zwei Paare der Besatzung waren aber extrem nett und sprachen teilweise auch sehr gut Deutsch.

Bei der mittlerweile obligatorischen Wanderung über Insel, die wiederum über einen recht gut markierten Rundweg verfügt, war das Gefühl der einsamen Insel im Skagerrak schnell verflogen. Der Sund auf der Westseite war knallvoll von Booten und diverse Grüppchen kraxelten mit Hund, Kind und Kegel über die Steine des Rundweges.

Gut besuchter Strömsund

Nach einer kurzen Kaffeepause bestiegen wir noch die Erhebung der Insel zu dem Aussichtsturm der Lotsen. Diesen nutzten sie in früheren Zeiten um Schiffe frühzeitig zu entdecken, die ihre Dienste in Anspruch nehmen wollten.

Der Trubel auf der Insel tagsüber war gut zu ertragen, hofften wir doch auf einen idylischen Abend nach Abreise der Tagesgäste. Auch das aufgestellte Schild, dass ein Ørjan Trubadur abends am Cafe von 18 bis 21 Uhr Musik macht, schockte uns nicht.

Leider überzeugte der Musiker, zumindest uns nicht, mit seiner Musikalität sondern vor allem mit steigender Lautstärke und immer heftigerer Rockmusik je später der Abend wurde. Auch den idyllischen Sonnenuntergang beschallte er weiter lautstark bis er um 23 Uhr endlich aufhörte, allerdings zum Leidwesen einiger Zuhörer. Noch am nächsten Morgen regte sich der nette Schwede neben uns darüber auf: „Das gehört hier nicht her und habe ich auch noch nie hier erlebt. Denkt bloß nicht, dass es hier immer so ist. Das waren alles Norweger !!“ Man scheint die nordwestlichen Nachbarn hier nicht so sehr zu mögen.

Um 10:00 Uhr müssen alle Gäste den Hafen verlassen, wir fuhren kurzerhand an eine andere Stelle und machten dort als Premiere mit „Schärennagel“ und Heckanker fest. So richtig vertrauenerweckend wirkte das für mich nicht. Trotzdem machten wir uns auf den Weg an Land.

Schärennagel

Nach dem leckeren Mittagessen wollten wir uns noch einen Kaffee gönnen, aber auf dem Weg sprach uns aufgeregt die nette Frau von unseren neuen Nachbarn an, dass sich unser Heckanker gelöst hätte und ihr Freund unser Boot gerade notdürftig gesichert hätte. Mit dem Ausbrechen des Heckankers hatte ich nicht gerechnet, eher mit dem Schärennageln. Mittlerweile hielt er wieder und wir mussten nur noch etwas nachspannen.

Der Abend brachte uns dann wieder einen sehr schönen Sonnenuntergang.

Smögen

Mit einem Tag Verspätung, der uns trotz des Sturmes viele tolle Eindrücke in Marstrand gebracht hat, machten wir uns auf die 35 Seemeilen lange Strecke nach Smögen. Eigentlich von der Entfernung her kein Problem, auch das Wetter glänzte mit herrlichen weißen Wolken im blauen Himmel. Leider kam der Wind aus der falschen Richtung und weht uns direkt auf den Bug. Dazu noch mit einer Stärke 4-5 anstatt der angekündigten 2-3. Wir entschieden uns, damit wir noch etwas vom gebuchten Liegeplatz in Smögen haben, mit Motor zu fahren und nicht dauerhaft zu kreuzen. Das Schiff schaukelte heftig und knallte immer wieder in die Wellen oder von ihnen herunter. Irgendwann wurde es zu anstrengend und wir versuchten es segelnder weise. Die Kreuzschläge hart am Wind waren nicht unbedingt schöner. Also weiter unter Motor.

Die Anfahrt nach Smögen ist durch die vielen Seezeichen und Untiefen etwas tricky. Bei der Einfahrt in den Hafen wurde aber gleich klar, was Smögen ausmaucht: Eine wunderschöne Hafenszenerie mit roten Häuschen, dazu eine mit Menschen überfüllte Promenade (Smögenbryggan), große Motor- und Segelyachten mit Musikpower und vermutlich ausreichend Alkohol an Bord.

Unser Liegeplatz befand sich relativ weit hinten im Hafen an einer der schmalsten Stellen der Smögenbryggan direkt an einem Bekleidungsgeschäft. Keine Bar oder Restaurant vor der Tür, die einem die Nachtruhe vermiesen könnten.

Smögen ist ein alter Fischerort in der historischen Provinz Bohuslän. Es leben etwa 1.300 Menschen fest in dem Ort, doch im Sommer steigt diese Zahl um ein Vielfaches. Insbesondere Tagesurlauber überschwemmen dann den Ort und die Hauptattraktion, die Shopping und Flaniermeile „Smögenbryggan“. Trotz des Tourismus spielt der Fischfang hier noch eine wichtige Rolle. Bekannt ist Smögen für die „Smögenräkor“, Garnelen die in den hiesigen Fanggründen oder im Skagerrak gefangen werden. Optisches Highlight sind die bunten Bootshäuschen an der Westseite des Hafens.

In Smögen bietet es sich an, einen Liegeplatz frühzeitig zu reservieren. Wir haben vor bereits 5 Wochen nur noch einen der letzten Plätze ergattern können. Dafür liegt man nicht nur mitten in der Kulisse, man ist Teil davon.

Marstrand (Teil 2)

Bereits in der Nacht nahmen die Schiffsbewegungen deutlich zu, es begann zu schaukeln und die Fender und Leinen knartschten. Der angekündigte Sturm war da 1 Der Hafen liegt aber schon auf der Leeseite der Inseln, wie heftig mag es erst draußen auf See sein ?

Nach dem Frühstück ging es mit der Fähre in wenigen Minuten für 40 SEK pro Person (ca. 3,80 € für Hin- und Rückfahrt) auf die Insel Koö, wo sich der „neue“ Teil von Marstrand befindet. Der Ort selber hat wenig schönes oder außergewöhnliches zu bieten. Aber immerhin einen gut sortierten Supermarkt.

Es gibt aber drei ausgeschilderte Wanderwege in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Strecken. Wir haben uns natürlich für den höchsten Schwierigkeitsgrad auf der 5 km langen „schwarzen“ Strecke entschieden. Eine sehr gute Entscheidung, denn die Strecke führte zwar zu großen Teilen quer über Gestein, war aber gut machbar und wir wurden mit wunderbaren Ausblicken belohnt. An vielen Stellen gab es auch Treppen, Brücken und Sitzbänke zum Genießen der Aussicht.

An vielen Stellen kann man bis zur etwa 3,5 Seemeilen entfernten Schäre Hamneskär blicken, auf der der Leuchtturm „Pater Noster“ steht. Diese bildet gemeinsam mit dem Leuchtturm „Skallen Fyr“ hier auf Marstrand und Skagen, dem Nordkap von Dänemark, die Grenze zwischen dem Kattegatt und dem Skagerrak. Die Inselgruppe besteht aus fast 100 Schären und wird als „Pater Noster Schären“ bezeichnet. Durch die aufeinander treffenden Strömungen von Kattegatt und Skagerrak und die vielen kleine im aufgewühlten Wasser erkennbaren Inselchen beteten angeblich die Seeleute vorheriger Zeiten dort das „Vater Unser“. Nicht allen hat es genützt, in dem Gebiet soll viele es viele Schiffswracks geben.

Bevor wir auf die Fähre zurück zu unserem Liegeplatz gingen gab es noch einen leckeren Lachsburger von einem Streetfood-Wagen am Hafen.

Am Nachmittag heulte uns der Wind immer noch die Ohren voll. Das Schiff rollte und schlingerte heftiger als manches Mal auf See. Also machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung der Festung. Hier beschränkten wir uns aber auf die Außenanlagen, den Eintrittspreis von 100 SEK investierten wir diesmal lieber in superleckere Waffeln und Kaffee.

Wir entschieden dann, nochmal den Rundweg weiter zu erkunden. Es gab noch eine Höhle und den Leuchtturm Skallen Fyr.
Die Höhle fanden wir tatsächlich, beim Rundgang gestern Abend müssen wir den Abzweig verpasst haben. Laut der Tafel an der Höhle diente sie im großen nordischen Krieg im 18. Jahrhundert als Unterschlupf nach der Eroberung von Marstrand durch Dänemark-Norwegen.

Der weitere Weg zum Leuchtturm war wirklich beeindruckend. Die durch den Sturm angefachte Brandung gischtete auf die Felsen und die Buchten. In der Nacht soll der Sturm nachlassen und auf Nord drehen, so dass wir mit Wind gegenan in dem durch den Sturm noch aufgewühltem Skagerrak unter Motor die 35 Sm nach Smögen fahren werden. Keine begeisternden Aussichten, aber der Liegeplatz ist reserviert und sowieso sehr schwer zu bekommen. Wer weiß wofür es gut ist.

Für uns hat der Tag wieder einmal gezeigt, dass auch wenn es nicht so läuft wie geplant immer auch etwas gutes daran ist. Eigentlich wollten wir heute die nächste Etappe nach Smögen absolvieren. Nun machen wir einen Hafentag und fahren morgen etwas länger. Dafür haben wir die Schönheit der Natur rund um Marstrand erkundet, was wir ohne den Sturm nicht geplant hatten.

Marstrand (Teil 1)

Bereits in der Nacht zogen erste Regenschauer mit viel Wind über uns hinweg. Während des Frühstücks klarte es sich auf und sogar die Sonne schien zeitweilig. Man konnte fast glauben, es würde ein schöner Segeltag. Der Wetterbericht prognostizierte anderes. Und er sollte recht behalten !

Pünktlich um 11:00 Uhr legten wir ab und der Regen legte zu. Zunächst nur mit einzelnen Schauern, aber mit Windstärke 6-7 von hinten, also beim Segeln nicht so kritisch. Mit 7 Knoten und mehr rauschten wir durch das Wasser. So macht es Spaß, wenn man nicht ständig aufpassen müsste, dass das Boot bei den Wellen von hinten nicht aus dem Ruder läuft.

Direkt vor dem „Albreksund-Kanal“, einer Meerenge zwischen den Inseln Klaverön und Koö erwischte es uns dann. Es schüttete wie aus Kübeln, was der Faszination der Durchfahrt durch diese enge Stelle keinen Abbruch tat.

Im Gästehafen von Marstrand, der gegenüber von des auf der Insel Koö liegenden neuen Teils von Marstrand auf der Insel Marstrandsö liegt, kamen wir klatschnaß an. Zum Glück war der reservierte Liegeplatz schon frei, so dass wir direkt anlegen konnten. Bei dem starken Wind wieder mit einiger Mühe.

Marstrandsö hat einen mittelalterlichen Grundriss und viele alte Häuser die vorwiegend aus Holz erbaut sind. Über der Stadt thront die Carlston-Festung aus dem 17. Jahrhundert, die viele Jahrhunderte auch als Gefängnis diente. Berühmtester Insasse war Lars Molin der auch auch Lasse-Maja genannt wurde. Seine „Spezialität“ war der Diebstahl bei reichen Leuten. Da er dabei als Dienstmädchen verkleidet war, wurde er viele Jahre nicht gefasst. Man suchte nach einer Frau.

Für den Inselrundgang gibt es einen spannenden und durch Schilder ausgezeichneten Weg, der sowohl zu historischen Stätten als auch beeindruckenden Aussichtsplätzen führt.

Wir sind mittlerweile nördlicher als Skagen und der Leuchtturm von Mastrand bildet mit dem weiter im Meer gelegenen Leuchtturm „Pater Noster“ die Grenzlinie zwischen dem Kategatt und dem Skagerrak. Ein tolles Gefühl, so weit nördlich angekommen zu sein. Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich in der Wetterkarte den Bereich der Lübecker Bucht bis maximal Fünen und Seeland aufzoome. Nur reicht der Bereich bei weitem nicht mehr.

Der Abend versöhnte uns mit einem tollen Sonnenuntergang nach dem ziemlich feuchten Tag.

Da für den kommenden Tag heftige Winde für das Skagerrak angekündigt werden, haben wir den Aufenthalt um einen Tag verlängert und werden morgen den neuen Teil von Marstrand besuchen.

P.S.: alle Bilder kann man vergrößern, wenn man sie anklickt.

Björkö

Der Liegeplatz in Göteborg war bis 12 Uhr gebucht, da ein Crewmitglied zu der Zeit den Bus zum Flughafen erreichen musste, haben wir kurzfristig an die Mole vor der Oper umgeparkt. So blieb genug Zeit für die Verabschiedung und auch für den restlichen Einkauf im glücklicherweise am Sonntag geöffneten Einkaufszentrum.

Gegen 13 Uhr legten wir dann ab und machten uns auf den Weg in Richtung Björkö. Da auch dort nur wenige Gastliegeplätze vorhanden sind, buchte ich erneut über Dockspot einen (vermutlich viel zu teuren) Platz. Bei der Ankunft um 15 Uhr waren aber noch einige wenige Restplätze frei. Egal ! So war wenigstens die Anreise entspannter.

Björkö ist eine 5×2 km große Insel mit ca. 1.400 permanenten Einwohnern. Gegenüber den unbewohnten Schären die wir bisher besucht haben, ist es hier gut besiedelt.
Es gibt ein Restaurant, einen Eisladen, eine Pizzeria, einen Bootsausrüster, ein Fischrestaurant und einen Supermarkt. Dieser hat während der Sommerwochen tatsächlich (auch sonntags) bis 22 Uhr geöffnet und ist optimal sortiert. Kein Vergleich mit den kleinen Läden auf den dänischen Inseln.

Außerdem gibt es noch einen Minigolfplatz mit liebevoll gestalteten Bahnen, die jeweils eine der Attraktionen der Insel darstellen. Inklusive einem Leuchtturm mit blinkendem Licht.

Die Sanitäranlagen am Hafen sind leider wieder einmal, trotz des für uns hohes Preises, sehr einfach gehalten. Zwei Duschen und Zwei Toiletten für den ganzen Gasthafen plus Wohnmobilstellplätze. Langsam gewöhnt man sich daran.

Auf Björkö gibt es eine Reihe von Wanderwegen durch die ursprüngliche Natur. Unser Versuch einen der Wege auszuprobieren wurde, da er plötzlich zu Ende war, eher ein sehr ursprüngliches Abenteuer. Quer durch die Schärenlandschaft mit Heide, Blaubeeren und Gräsern stapften wir einige Zeit durch die Vegetation bevor wir eine der wenigen Straßen erreichen konnten.

Morgen geht es in das nur 10 sm entfernte Marstrand. Dort werden wir wegen den angekündigten Sturmes zwei Tage verbringen.

Göteborg

Gestern Morgen begrüßte uns der Himmel mit einer dichten Wolkendecke und mäßigem Wind. Unser Tagesziel war der 11 Seemeilen entfernte Hafen „Lilla Bommen“ mitten in der City von Göteborg, direkt zwischen der Oper und dem Viermaster „Viking“ gelegen.

Das Einlaufen nach Göteborg war schon ein Erlebnis. Kurz hinter dem Containerhafen unterquerten wir zunächst die „Alvsborgsbron“. Die Brücke ist 933 m lang und hat eine Durchfahrtshöhe von 45 m. Die Spannweite zwischen den 107 m hohen Pylonen beträgt 418 m. Sie ist beeindruckend und unser 16m hohe Mast hatte ausreichend Platz.

Schon von weitem sieht man den Portalkran der hinter der Brücke gelegenen ehemaligen „Eriksberg“-Werft. Heute liegen unter ihm keine Stahlkolosse mehr, sondern kleine Motor- und Segelboote. Das ehemalige Dock ist heute ein Yachthafen, das riesige Gelände der Werft mit Häusern bebaut und ein eigener Stadtteil von Göteborg.

Vorbei an den Fährterminals für Kiel und Frederikshavn liegt kurz hinter dem Schiffahrtsmuseum „Maritiman“ die Göteborger Oper. Bereits von weitem kann man das markante Bürogebäude mit dem oberen roten Teil erkennen an dem der Hafen liegt. Aufgrund der Optik wird es als „Läppstikket“ (Lippenstift“ bezeichnet, davor liegt die „Viking“.

Unser vorher reservierter Liegeplatz befand sich mit direktem Blick auf die „Viking“ und dem „Läppstikket“, auf den wir trotz des happigen Preises von knapp 5€ pro Person mit dem Fahrstuhl gefahren sind um die Aussicht aus 86 m zu erleben. Es hat sich gelohnt.

Anschließend ging es in die nahe gelegene City. In nur kurzer Entfernung befindet sich ein Einkaufzentrum mit Geschäften, Restaurants und dem für die Auffüllung der Vorräte dringend benötigtem Supermarkt.

Die Innenstadt von Göteborg war gut gefüllt. Vor allem mit jugendlichen Fussballern, die zu einem großen internationalen Fussballturnier zu Besuch waren. Aber auch durch eine Vielzahl Fans, fast durchweg jenseits der 40, von „Iron Maiden“, die am Abend im Ullevi-Stadion spielen sollten.
Auch im Hafen gab es einige Fans, die sich zum „Vorglühen“ auf den Booten trafen. Wir begnügten uns mit einem Abendspaziergang durch die nun nicht mehr so volle Innenstadt und genossen den Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Rundgang zu den städtischen Highlights von Göteborg.

Göteborg wurde im 17. Jahrhundert durch den schwedischen König Gustav II Adolf gegründet. Für den Stadtbau beschäftigte der König Niederländer, weil diese offensichtlich bereits damals Experten für den Bau auf Marschboden waren. Behauptet zumindest Wikipedia.

Zunächst gingen wir in den Park der Trädgårdsföreningen (zu deutsch: Verein zur Erhaltung der Gartenkultur). Dort kann man neben dem schönen Park einen Rosengarten und ein beeindruckendes Palmenhaus besichtigen.

Weiter ging es zum Götaplatsen mit der Poseidon-Statue und dem Kunstmuseum bevor wir im Stadtviertel Haga in das „Husaren-Cafe“ einkehrten. Dort soll es die besten Zimtschnecken (Kanelbullar) geben. Sie waren wirklich lecker, vor allem sind es vermutlich die größten.

Vor dem weiteren Weg durch Gassen von Haga stiegen wir noch kurz auf die „Skansen Kronan“, eine Verteidungsanlage aus dem 17. Jahrhundert.
Anschließend führte uns der Weg zurück in den Hafen für eine ausgedehnte Nachmittagspause.
Abends gab es ein leckeres Essen im Restaurant „Provianten“ am Hafen und zum Abschluss einen Cocktail im 12. Stock des „Riverton-Hotels“ mit einem fantastischen Ausblick über die Mündung des „Göta älv“.

Der Hafen „Lilla Bommen“ war letztlich viel ruhiger als ich es für einen Stadthafen erwartet hatte. Vor allem die häufige Vorbeifahrt der „Padan“-Boote, mit denen man ab dem Hafen eine moderierte Fahrt durch die Kanäle machen konnte, führten jedoch zu einigem Schwell, der gut an Bord spürbar war.
Spannend war die internationale Bootsgemeinschaft, die sich hier traf. Neben deutschen und schwedischen Booten, waren vor allem auch Norweger hier zu treffen. Aber auch Boote aus Litauen, den Niederladen, Belgien und sogar den USA.

Donsö

Heute musste es mal wieder ein richtiger Hafen sein. Einer, wo man richtig duschen und das Boot ohne Dinghi verlassen kann.

Unser Ziel war der Hafen auf Donsö, einer der größeren Schären im Göteborger Archipel. Laut Reiseführer ist der Ort ein Schwerpunkt des Fischfanges gewesen. Heute gibt es nur noch einige kleine Fischerboote für den lokalen Fang im Kattegatt und große Fischtrawler die, so der Hafenguide, vor Schottland fischen.

Die kurze Strecke von 4 Seemeilen war schnell absolviert, führte aber durch eine schmale, nicht markierte, Fahrrinne. Die bewährte Methode mit Ausguck am Bug half uns auch diesmal die beidseitig liegenden Steine zu umfahren.

Strecke von Stora Rävholmen nach Denso (Quelle: Google Maps)

Der Hafen von Donsö war gut gefüllt, freie Plätze kaum zu sehen. Glücklicherweise legte direkt vor uns eine deutsche Yacht an einem Platz in perfekter Position zu den Serviceeinrichtungen ab. Bingo !
Leider war es lediglich der Ausleger eines Schwimmsteges, sodass wir jedesmal eine Kletterpartie mit Balanceakt vollführen mussten um an an Land zu kommen. Egal, Hauptsache einen Platz gefunden.
Zum Mittagessen kehrten wir direkt in das „Isbolaget“, einem Hotel und Restaurant, direkt an unserem Platz ein. Die Bestellung und Bezahlung erfolgt dort vollständig online: man scannt einen QR-Code und wird auf eine Internetseite mit der Speisekarte geleitet. Dort legt man seine Auswahl mit einem Klick in den Warenkorb und wird zur Bezahlung per Kreditkarte weitergeleitet. Nach wenigen Minuten stand unser Räucherlachs mit Kartoffeln auf dem Tisch, dessen Nummer mit der Bestellung übertragen wurde. Genial !

Anschließend noch ein Eis am Eisstand mit Kreditkarte bezahlt, denn einen Geldautomaten haben wir noch nicht gefunden. In Schweden ist das Zahlen mit Plastikgeld so normal wie in Deutschland das „Keine Kartenzahlung möglich“-Schild beim Eisverkäufer.
Manchmal merkt man schon, dass andere Länder weiter sind. Der Internetempfang war übrigens bislang auch an abgelegenen Orten kein Problem. Bei uns hat man ja manchmal auch in der Stadt Funklöcher.
Donsö ist ein wirklicher netter kleiner Ort und immer noch vom Fischfang durch viele kleine Bootshütten geprägt, die über der Eingangstür den Namen des jeweiligen Schiffes tragen, teilweise als liebevolle Verzierung.

Während wir nur wenige Autos gesehen haben, ist neben elektrisch betriebenen Golfkarts ist ein weiteres Gefährt hier als Transportmittel für Mensch und Waren anzutreffen.

Eine Bucht weiter…

Um Viertel vor 4 wachte ich auf weil das Boot mehr Bewegungen machte als in der Nacht. Der Wind hatte gedreht und deutlich aufgefrischt. Da ich schon mal wach war, konnte ich auch noch auf den Sonnenaufgang warten. Die wenige Wolken machten die Szenerie spektakulärer. Es war schön.

Um 8 Uhr rauschte dann schon das erste kleine Boot in die Bucht von Kungsö und wenige Minuten später stand der Sonnenschirm am Strand. Gute Entscheidung, denn die Plätze füllten sich schnell.

Nachdem die Crew ausgeschlafen und gefrühstückt hatte, machten wir uns gegen 10:30 Uhr auf dem Weg, denn die Geräuschkulisse näherte sich wieder der Rennstrecke.

Auf dem Weg Richtung Kattegatt sahen wir, das auf der Rückseite von Kungsö auch diverse Yachten festgemacht hatten, weit auseinander. Vorteil ist, wenn man sich im Revier auskennt.

Das Kattegatt begrüßte uns mit moderater aber ruppiger Welle, aber da der Wind direkt von achten kam, begnügten wir uns mit dem Vorsegel als stressfreie, aber ausreichenden Vortrieb. Es sollte nur 6 Meilen weiter in die Bucht Stora Rävholmen gehen.

Die Einfahrt ist etwas tricky, da sie von fiesen Steinen unter der Wasseroberfläche gesäumt ist. Aber mit Ausguck am Bug kein Problem. In der Bucht selbst war schon viel Betrieb: alle Uferplätze waren belegt. Obwohl es sehr eng ist, ankerten wir in der Mitte, allerdings erst im x-ten Versuch. Der Anker wollte partout nicht halten. Okay, da hatten die sonnenhungrigen wenigstens was zu gucken, weil der einzige Deutsche weit und breit den Anker nicht fest bekommt. (Ging aber anderen mit anderen Flaggen später genauso). Schließlich hielt er und alle konnten sich wieder dem Sonnenbad zuwenden.

Die Bucht füllte sich immer weiter, nur fuhren alle bei den Bedingungen langsam. Es blieb also erholsam und kein Rennstreckenfeeling.

Am Abend leerte sich die Bucht wieder und auf unserem Speiseplan stand Pizza vom Grillstein bevor wir uns auf den Sundowner einstimmten.

In die Schären

Heute Vormittag kam ein weiteres Crewmitglied trotz Flugchaos in Deutschland pünktlich an unserem Liegeplatz an. Der Weg vom Flughafen bis zum Hafen Langedrag ließ sich gut in 1 Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen.

Zum Willkommen haben wir das Hafenrestaurant „Seglarkrogen“ mit dem „Dagens Lunch“ ausprobiert. Es gab ein Fisch-, vegetarisches oder Fleischgericht zur Auswahl. Dazu ein super Salatbuffet und zum Nachtisch Kaffee und Cookies. Das Ganze für 189 SEK (18 €), für das wirklich sehr gute Essen völlig okay.

Bis auf die etwas sanierungsbedürftigen Sanitäranlagen hat uns der Hafen gut gefallen, aber nach dem Mittag und einem kurzen Besuch im 2 Haltestellen entfernten Supermarkt wollten wir schnell raus in die Schären.

Als Ziel haben wir uns Kungsö am südlichen Eingang des Schärengartens ausgesucht. Laut Harbour Guide ein beliebter Ort wegen des schönen Sandstrandes. Wie erwartet war es auch ausreichend voll hier. Durch viele Motorboote und viele Menschen gab es eine Soundkulisse wie in einem Freibad neben einer Formel 1 Strecke. Aber trotzdem sehr schön hier. Gegen Abend verließen die Tagesausflügler zunehmend den Platz und Ruhe kehrte ein. Beim nächsten Mal würden wir auf jeden Fall den gegenüberliegenden Ankerplatz zwischen den Schären Vallh und Valö auswählen. Dort liegt man wohl etwas ruhiger.

Trotzdem ein idealer Ort um den Tag beim Grillen mit einem Wein ausklingen zu lassen.