Aufbruch

Die letzte Nacht vor der Abfahrt war ruhiger als gedacht. Eigentlich hatte ich erwartet mich stundenlang in den Schlaf zu wälzen. Habe aber gut und tief geschlafen.
Ein kurzer Besuch am Strand gehört vor dem Frühstück einfach dazu.

Fast pünktlich um 10:30 Uhr legten wir ab, trotz der angekündigten Winde mit 6 und Böen in 8. In Grömitz war alles ruhig, also los !

Wie üblich änderte sich bei Dames Höved das Wetter schlagartig !
Windstärke 6 mit den angekündigten 7er Böen blieben für die nächsten Stunden bis zur Südspitze Falsters unsere Begleiter. Ab Höhe Fehmarnsund stieg auch die Wellenhöhe auf über 2 Meter mit der für die Ostsee üblichen kurzen Wellenlänge. Knapp gesagt: kurze und spitze Wellen, die einen permanent Fahrstuhl fahren ließen.

Dafür waren wir erheblich schneller als gedacht: mit 7 Knoten rauschten wir durch die aufgewühlte Ostsee bevor wir kurz hinter Gedser nach 6 Stunden Richtung Norden abbogen. Hier beruhigte sich das Wasser schnell, der Wind blieb. Für das Abendessen haben wir das Boot kurz beigedreht, so dass wir in Ruhe eine schnelle Nudelmahlzeit zu uns nehmen konnten: Fertignudeln mit heißem Wasser übergossen. Naja..kulinarisch geht anders.

Weiter über die Ostspitze von Mön Richtung Kopenhagen. Gegen Mitternacht war es mäßig dunkel, nur im Norden sah man durch das rötliche Schimmern am Horizont, dass die Sonne nicht wirklich weg war.

Das Highlight der Nacht war der Aufgang der Sonne, die sich über den nordöstlichen Horizont traute, als wir gerade vor der Öresund-Brücke, der Verbindung zwischen Kopenhagen und Malmö waren. Ein traumhafter Moment.

Sonnenaufgang an der Öresundbrücke

Kurz hinter Kopenhagen begann dann der eklige Teil der bis dahin zwar ruppigen aber schönen Tour.
Alles, was der Segler überhaupt nicht braucht auf einem Haufen: kräftiger Wind aus dem Kattegatt von vorn in den Öresund, dazu eine heftige Welle und viel Berufsschiffahrt, der es völlig wurscht ist, ob ein Segler da raus will.

Satte 2 Stunden und eine Unzahl von Flüchen hat uns diese Etappe gekostet ! Mit Motor auf die Welle aufzufahren, wie wir es einige Zeit probiert haben, war keine Option. Jedes Mal wenn das Boot wieder 2 Meter von der Wellenspitze in die Tiefe fiel krachte es im Deck, dass es mir körperlich wehtat. Also Segel setzen und kreuzen. Das Boot lag zwar ruhiger, aber die schnell fahrenden Frachter zwangen uns ständig zum Richtungswechsel: sie sind nun mal stärker.

Halbinsel Kullen….
…so schön Du aussiehst, Du hast uns viel Kraft gekostet

Im Kattegatt nördlich von Seeland wurde es nicht besser: hier konnten wir zwar der Berufsschiffahrt ausweichen, dafür mussten wir an der Landspitze der schwedischen Halbinsel Kullen vorbei: auch die lag natürlich direkt in Windrichtung, so dass wir erst nach mehreren Kreuzschlägen in unangenehme hoher Welle dran vorbei kamen.

In dem Moment fiel der Entschluss, nicht bis Göteborg durchzufahren, sondern einen Zwischenstopp einzulegen. Nach 200 gefahrenen Seemeilen (ca. 360 km) und 33 Stunden machten wir um 19:00 Uhr gegenüber einer Werft und einem Getreidesilo in Falkenberg fest. Es gibt erholsamere Orte, aber die im Liegegeld eigeschlossene warme Dusche kompensierten einiges.

Idyllischer Liegeplatz in Falkenberg

Am nächsten Morgen ging es bei angenehmen Wind auf die restlichen knapp 60 Meilen Richtung Göteborg. Wechselhafter Wind und wechselhaftes Wetter mit Regen begleiteten uns auf dem Weg. Nach Regenklamotten auf den ersten 2/3 der Strecke war es am Ende die kurze Hose bei strahlendem Sonnenschein. So soll es sein 🙂

Nach 7,5 Stunden lag dann das Ziel der Anreise vor uns: der Göteborger Schärengarten.
Eine faszinierende Landschaft, schroff aber idyllisch, begrüßte uns. Die Vorfreude auf die kommenden Wochen steigerte sich. Felsen im Wasser, davor in völliger Einsamkeit einzelne Yachten vor Anker, aber auch hübsche rote Holzhäuschen in kleinen Siedlungen. Genau deshalb sind wir hier !

Ankunft im „Schärengarten“

Vorläufiges Ziel: der Yachthafen „Langedrag“ an der Mündung der Göta. Ein Idyll mit Straßenbahnschluss in die Stadt, aber weit genug draußen zum Entspannen. Hier werden wir für 2 Tage bleiben und freuen uns auf die Erweiterung unserer Crew um für zunächst 3 Tage die Schären zu erkunden.

Gespannte Vorfreude

Nach vielen schönen, aber auch relativ normalen, Törns in den letzten Jahren soll es dieses Jahr wieder etwas Besonderes sein. Das Revier ist seit 2 Jahren wieder die Ostsee, das Boot nicht mehr gechartert sondern eine eigene Bavaria 31 Cruiser.

Die eigentlich seit vielen Jahren geplante große Ostsee-Runde mit dem Baltikum, St. Petersburg, den Aland-Inseln, Haparanda und dem Göta-Kanal muss aus vielen Gründen warten. Auch die „kleine“ 3-Monatsrunde über Polen, Bornholm, Öland, Aland-Inseln und den Göta-Kanal ließ sich nicht realisieren.

Als zumindest kleiner Ersatz wird es für wenige Wochen in den westschwedischen Schärengarten vor und nördlich von Göteborg gehen. Als nördlichstes Ziel ist Smögen in der Nähe von Kungshamn vorgesehen. Von dort aus geht es dann in kleinen Etappen weiter südwärts zurück bis zu unserem Liegeplatz in der Lübecker Bucht.

Die erste Etappe wird die 250 Seemeilen lange Überführung aus der der Lübecker Bucht nach Göteborg sein. Dort wird dann unsere Crew vervollständigt, wenn uns das Flugchaos keinen Strich durch die Rechnung macht.

Für die Überführung haben wir 2 Varianten: eine über den Großen Belt und Anholt mit langen Strecken über freien Seeraum und eine an Kopenhagen vorbei in relativer Küstennähe.

Für beide Routen werden wir etwa 2 Tage benötigen. Welche es wird, entscheidet sich kurzfristig anhand der Wetterlage.

Soweit die Theorie !

Für die Praxis heißt dies, mit einer Zweimann-Crew 48 Stunden durchweg zu segeln. Zumindest für uns eine Herausforderung, waren doch die längsten Strecken bislang 50 bis 60 Seemeilen in 10 Stunden.
Themen wie
– Wer kümmert sich wann ums Boot ?
– Kommen wir auf See überhaupt zum Schlafen ?
– Welche Ausrüstung brauchen wir ?
…und weitere
erhöhen die gespannte Vorfreude auf eine wunderschöne Tour in wunderschöner Natur.

Noch 11 Tage…..

Photo by David Taljat on Pexels.com

Wechselwetter….

Um 9 Uhr lege ich in Stavoren ab. Vom Gemeindehafen ist es nur ein kurzes Stück auf die Einfädelspur für Sportboote zur Schleuse. Ob das Ansteigen des Puls vor der Schleuse irgendwann mal nachlässt ? Die Ampel zeigt Rot, so dass ich mehr oder weniger lässig meine Achterleine um die Klampe der Wartezone werfe. Leichter Schub voraus, so soll sich eigentlich der Bug wie von selbst an die Kaimauer schmiegen. Eigentlich ! Also doch das Bugstrahlruder zu Hilfe nehmen. Während ich noch so mit mir und dem Boot beschäftigt bin, nähert sich von hinten ein Motorboot und die Ampel springt um. Es kommt wie es kommen musste, die Achterleine bekomme ich nicht gelöst und ich stehe fast quer in der Fahrspur….Mist !
In der Schleuse läuft dann alles glatt und kurz danach habe ich den Vorhafen auf der Ijsselmeerseite erreicht. Nach den Erfahrungen des letztes Jahres will ich diesmal dort im ruhigen Wasser alles klar machen. Inklusive Segelsetzen. Um die Zeit ist es leer dort, so dass ich mit Zeit und Ruhe meinen Plan umsetze.

Und auf geht’s Kurs nach…..ja wohin eigentlich ? Keine Ahnung. Mindestens Enkhuizen, wenn alles passt auch weiter. Leider passt der Wind wieder mal gar nicht zu meinen Ideen. Der passt zu Urk. Aber es ist Sonntag, da ist der Urker eher in der Kirche..die Stadt ist leer.

Also doch noch eine Wende und ab nach Enkuizen. Da gibt es gutes WLAN, so dass ich per Livestream noch das Finale der 2. Fussball Bundesliga hören kann.

Dann habe ich mein wohl bestes Anlegemanöver Einhand ever gefahren. Rückwärts rein.  Vorleinen beide beim Reinfahren übergeworfen. Hinten punktgenau aufgestoppt. Neben mir ein lesender muffeliger Segler der Marke „ich habe ein Boot weil man drauf sitzen kann“ guckte als ob er beleidigt ist, dass ihm ein lustiger Crash entgangen ist 😂. Manchmal passt es eben…

Der nächste Morgen beginnt vielversprechend. Der in der Nacht aufgekommene Wind ist noch da und es begrüßt mich strahlender Sonnenschein. Drei unterschiedliche Wetterdienste behaupten unabhängig voneinander, dass wir zwischen 3 und 5 Bft. bekommen. Also schnell gefrühstückt und los.

Kurz nach der Abfahrt die Ernüchterung: der Wind wird weniger. Egal, ich habe ja Zeit und will mal wieder nach Makkum. Der wenige Wind in Verbindung mit einem heftigen Schwell direkt von der Seite macht es auf dem Boot eher unangenehm. Als der Wind weiter nachlässt entscheide ich in der Mitte eines Dreiecks Enkhuizen – Stavoren – Lemmer den Kurs doch nach Medemblik zu ändern. Blöde Idee ! 5 Knoten Wind von achtern bei 5 Knoten Fahrt machen Windstille. Sofort nutzen massenweise fliegende Lebewesen der 10 mm Klasse die Situation aus und lassen sich auf dem Boot und mir nieder. Nach 5 Minuten reicht es mir und ich drehe das Boot um 180°. Also auf nach Lemmer in der Hoffnung  dass die Richtung 10 Knoten Fahrtwind ergibt und die blinden Passagiere keine Lust mehr haben. Falsch gedacht. Es gibt genug windgeschützte Ecken auf dem Boot und sie bleiben mir alle erhalten. Mit dem Wind ist mittlerweile auf der Schwell gegangen, so dass ich genervt von den Mücken, Fliegen, etc. unter Motor Richtung Lemmer tuckere.

Am folgenden Tag bin ich mir (unabhängig) vom Wetterbericht sicher, dass es genug Wind gibt. So soll es dann auch kommen. Da macht es auch nix, dass er in die Bucht schräg reinbläst, denn das bringt die geografische Lage am Ostufer des Ijsselmeeres so mit sich. 4-5 machen Spaß. Da stören auch die Windräder, die bis Urk meine Begleiter sein werden, etwas weniger. Trotzdem: schön ist was anderes. Das ist wohl der Preis für Strom aus natürlichen Quellen.

Die Fahrt nach Urk verläuft prima. Ich finde noch einen günstig gelegenen Liegeplatz neben einem älteren Niederländer, der mir später erzählte, dass er immer Angst um sein Boot hat, wenn jemand neben ihm rückwärts einparkt. Zweimal wurde es schon dabei beschädigt. Verständlich, ist es doch eine wunderschöne und liebevoll gepflegte Koopmans. „Die hat der alte Koopmans 1981 noch gebaut“, erzählt er mir voller Stolz.

Abends gibt es dann Fisch aus der Urker Vishal, hatte ich schon lange nicht.

Morgen geht es nach Leystad um meine Crew zu vervollständigen.

Entspannung pur…

Die erste Etappe führt mich ins Sneeker Meer. Ich war mir sicher, dass ich die erste Nacht an einer Boje in der Natur verbringen möchte. Im Sneeker Meer angekommen, erinnere ich mich: die Boje und ich kennen uns aus dem vergangenen Jahr. Heftiger Wind und Regen sollen auch diesmal meine Begleiter sein. Zum Glück nimmt der Wind ab und der Himmel klart auch etwas auf. Nachdem auch der letzte Mofa-Fahrer vom nahen Campingplatz zur Ruhe findet ist der Sonnenuntergang ein schöner Vorbote auf den nächsten Tag.

Am nächsten Morgen begrüßt mich herrlicher Sonnenschein und ein langsam zunehmender Wind. Während des Frühstücks an Deck kann ich um kurz nach Sieben schon der ersten Regatta auf dem Sneeker Meer beiwohnen…die sind ja auch unerwartet früh dabei !

Wo es heute hingeht weiß ich immer noch nicht. Als ich um kurz nach Acht die Leinenverbindung zur Boje löse hat sich zumindest eine grobe Richtung ergeben: Stavoren ! Auf dem Weg dorthin könnte sich auf dem Heeger Meer eine Chance ergeben, den Segelwind bei schönem Sonnenschein zu nutzen. Am Abzweig nach Sneek entscheide ich spontan, nicht den kurzen Weg über Uitwelleringerga zu nehmen, sondern durch Sneek zu fahren. Sind zwar einige Brücken mehr, doch ich mag die kleine Stadt mit dem Waterpoort.

Kurz vor den ersten Wohnblocks fällt mir von weitem ein großen Motorboot auf, dass sich anders als andere verhält: es steht quer in der Fahrrinne. Beim  Näherkommen ruft mir der aufgeregte und parallel telefonierende ältere Skipper zu  dass sein Motor nicht geht. Okay, also gedreht, Leine am Heck für den Hahnepot vorbereitet. Leider dauerte es zu lange, bis der arme Skipper verstanden hat, dass er die Schleppleine nicht mit der Hand festhalten kann, sondern auf der Klampe belegen muss. Als ich Gas gebe, bewegt sich nix mehr. Er sitzt fest und mein Motor war ist zu schwach. Im selben Moment eilt ein größeres Plattbodenschiff, eine Skuitsje, zu Hilfe. Wir können die Schleppleine direkt übergeben. Alles ist gut.

An der zweiten der drei Brücken in der der Sneeker Innenstadt wird die Wartezeit heute erheblich verlängert: eine schier endlose Karawane von Oldtimern italienischer Herkunft, die sich in Sneek gerade treffen,  hat natürlich Vorfahrt. Nicht einfach, dass Boot in dem engen Kanal nicht an die Kaimauer treiben zu lassen. Aber die fröhlichen und winkenden Menschen in den schönen Autos entschädigen.

Nach dem Passieren der letzten Brücke am Waterpoort, dem von der Marke Gaastra bekannten Wassertor, geht es direkt weiter zur  malerischen Mühle in Ijlst und dann nach Heeg.

Auf dem Heeger Meer herrscht viel Betrieb. Für Segler ist es einfach ein Traumtag mit Wind um 4 Bft und blauem Himmel. Da ist es auch nicht schlimm, dass der Wind genau von dort kommt, wo ich hin will. Dafür haben die Ahnen ja die Kreuz erfunden.

So kreuze ich Schlag um Schlag durch das Heeger Meer und Flüessen bis zum  nächsten Kanal. Die Brücke in Warns öffnet sich später quasi schon bei der Annäherung ohne Wartezeit. Genial !

Um zwei Uhr mache ich im Gemeindehafen von Stavoren fest. Auch hier ist es einfach schön. Morgen ? Keine Ahnung…ich werde es sehen…

Gespannte Freude.

Gute 8 Monate sind seit der letzten Tour in Friesland vergangen, 10 seit der ersten Einhand-Tour. Morgen geht es wieder los. Wie letztes Mal spüre ich eine gespannte Unruhe. Wie werden Wind und Wetter ? Wie die Anlegemanöver und das Schleusen ? Eine Routine wird sich wohl nie einstellen. Jede Situation ist anders, aber hinterher ist es meist eine tolle Erfahrung gewesen.

Anders als im vergangenen Jahr habe ich keinen Törnplan bzw. Ziele wo ich hinmöchte. Nur ein Termin steht fest: Mittwoch muss ich in Lelystad sein um meine Crew an Bord zu nehmen. Und davor ? Mal was Neues probieren oder die schönsten Ziele der Vergangenheit ? Ich werde es sehen und kurzfristig Entscheiden oder mich einfach vom Gefühl treiben lassen.

Das erste Ziel wird mit ziemlicher Sicherheit eine Marekrite Boje sein…irgendwo in der scheinbaren Abgeschiedenheit. Heeger Meer oder Richtung Sneek. Die schönsten Momente der letztjährigen Tour habe ich dort gehabt und ich möchte das Gefühl wiederholen, wenn das überhaupt geht. Was danach kommt werde ich sehen. Diese Planlosigkeit macht mich nervös, aber wahrscheinlich bin ich noch zu sehr im getakteten Zeitkorsett des Alltags gefangen. Die Entspannung wird mit jedem Tag steigen.

Vorfreude ? Ja, sehr.

Noch einmal schlafen.

Zuammenfassung der einzelnen Strecken

Die Gesamtstrecke im Überblick:

Karte Ganze Strecke

Tag 1 und 2 (Langweer – Heeg – Sitebuoster Ie)

Karte Tag 1 und 2

Tag 3 und 4 (Sitebuoster Ie – Leeuwarden – Sneeker Meer)

Karte Tag 3 und 4

Tag 5 und 6 (Sneeker Meer – Heeger Meer – Monnickendam)

Karte Tag 5 und 6

Tag 8 und 9 (Monnickendam-Hoorn-Stavoren)

Karte Tag 8 und 9

Tag 10 und 11 (Stavoren- Sneek – Bolsward)

Karte Tag 10 und 11

Tag 12 und 13 (Bolsward – Harlingen – Woudsend)

Karte Tag 12 und 13

Tag 14 (Woudsend – Langweer)

Karte Tag 14

Zurück in die Realität….

Der Rückweg von Woudsend nach Langweer hatte nochmal einiges von dem zu bieten, was Friesland ausmacht: Kanäle, Meere und schöne kleine Orte in denen die Zeit mehr oder weniger still zu stehen scheint.

Wir nutzten die Strecke um endlich auch noch Sloten kennen zu lernen. Sloten ist mit 760 Einwohnern nicht nur die kleinste Stadt der 11 friesischen Städte, sondern auch die kleinste Stadt der Niederlande insgesamt. Bei der Einwohnerzahl natürlich nicht wirklich verwunderlich.

Kurz hinter Klappbrücke, wo wir die obligatorischen 2 € Brückengeld in den Holzschuh gelegt haben, fanden wir einen praktischen Liegeplatz in Nähe zur Stadt.

Es hat sich wirklich gelohnt. Die Stadt ist wirklich niedlich, aber scheint trotz der vorhandenen Restaurants etwas verschlafen. Nur die moderne industrielle Mehlfabrik gegenüber unseres Liegeplatzes (unter Mühle stellen wir uns ja etwas anderes vor obwohl dies natürlich auch eine ist) passt nicht so recht ins Bild, deshalb hier auch kein Foto. Aber natürlich hat Sloten auch eine „richtige“ Mühle. Im Ort machten wir auch Bekanntschaft mit einer 4 beinigen Bewohnerin, die uns nicht mehr von der Seite weichen wollte.

Der Rückweg nach Langweer führte uns noch durch die Spannenburgbrücke, die mit ihrem Turm ganz Friesland zu überragen scheint.

Nachdem der Brückenwärter am Janesloot (übrigens mal wieder eine kostenlose Brücke) wohl  ein Einsehen mit den wartenden Booten hatte und seine um 13 Uhr beginnende Mittagspause um 15 Minuten verschob  (oder verkürzte) machten wir  kurze Zeit später in Langweer wieder fest.

Eine erlebnis- aber auch lehrreiche aber vor allem sehr, sehr schöne Tour ging zu Ende…..Fortsetzung folgt…ganz sicher!

…und am Ende scheint doch wieder die Sonne…

Mindestens drei Mal wurden wir heute Nacht durch einen heftigen Schlag, der das ganze Boot durchrüttelte, geweckt. Im Zwischenstadium vom Niedrig- zum Hochwasser waren die Leinen etwas locker und durch Windböen während des heftigen Regens wurden wir gegen einen Holzdalben an der Spundwand gedrückt. Mittlerweile lief das Wasser wieder ab und wir waren schon wieder ein ganzes Stück tiefer.

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Nachdem ersten Kauf von frischen Brötchen zum Frühstück auf dieser Tour legten wir um kurz nach 9 Uhr ab. Vorher haben wir aber noch beim Fischstand vorbeigeschaut, denn zum Abendessen sollte es Matjes mit Kartoffeln geben. Der hatte aber noch zu. Schade, also Resteessen am heutigen letzten Abend.

Um genau 9:25 Uhr, die Hafenbrücke öffnet sich jede Stunde um 25 und 55, ging es wieder raus auf die Nordsee. Leider mussten wir aufgrund des Wetterberichtes erneut Schietwetter erwarten. Zunächst war das Segeln aber eine reine Freude. Wind 3-4 und viel Sonne! Nach erstem Rantasten setzte  wir auch noch das Grosssegel und rauschten mit Unterstützung der Tidenströmung mit bis zu 8,5 Knoten Richtung Schleuse.

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Hinter der Schleuse entdeckten wir eine breites dunkles Wolkenband hinter uns. Bis auf ein paar Tropfen bekamen wir aber zum Glück nichts ab, sahen aber den Wolkenbruch hinter uns.

Pünktlich zum Ende der Mittagspause des Schleusenwärters erreichten wir um kurz vor 13 Uhr die Schleuse in Workum. Nach Bezahlung der in Friesland an den kleineren Schleusen üblichen 5 € durften wir sie auch wieder verlassen.

Für die Nacht hatte ich eine Boje im Grutte Gaastmeer ausgesucht. Der Wind hatte zwischenzeitlich auf 5-6 zugenommen. Leider lag die Boje in direkter Windrichtung einer intensiven Gülledüngung. Nach etwa einer halben Stunde fuhren wir aufgrund des sehr eindringlichen Geruchs weiter.

Die Luft wurde frischer und wir freuten uns auf die als Ersatz im Heeger Meer ausgesuchte Boje. Als sie gerade in Sichtweite war durchströmte erneut ein bereits bekannter Duft die Nase. Die Bauern der Umgebung wollten offensichtlich den gerade einsetzenden heftigen Regen nutzen.

Also weiter zur dritten Alternative, ebenfalls im Heeger Meer. Hier gab es frische Luft aber dafür weiterhin heftigen Wind und bewegtes Wasser. Leider ließ der Wetterberichtes keine Hoffnung auf stark abnehmenden Wind aufkommen. Nach 30 Minuten gaben wir auf und fuhren weiter nach Woudsend. Laut unserem Reiseführer „das typische friesische Dorf. “ Kanal, zwei Windmühlen, drei Kirchen und kleine Restaurants.

Er sollte Recht behalten. Woudsend ist wirklich einen Besuch wert, den wir ohne die Düfte und den Wind nicht gemacht hätten. Das erste, was wir beim Rundgang entdeckten, war ein Fischstand, der tatsächlich noch „hollandse nieuwe“, also Matjes hatte. Das Abendessen war also gesichert.

Und am Abend schien dann natürlich wieder die Sonne:-)

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Zwei Welten

Schlag 9 Uhr wurde die Autobahn 7 mit Schranken gesperrt und für  uns (und zwei Motorboote) öffnete sich die Brücke von Bolsward. Alle drei bogen wir rechts auf den Kanal in Richtung Workum ab, dem wir aber nur bis zum Abzweig nach Makkum folgen wollten. Die folgenden drei Brücken öffneten sich wie so oft noch während wir uns ihnen näherten. Die Auswirkungen auf den Straßenverkehr waren aber ungleich geringer: es gab zwar Straßen aber kaum Autos.

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir die Schleuse zum Ijsselmeer und die dunklen Wolken erreichten uns. Bereits Morgens hatten wir aufgrund des Wetterberichtes und einem Blick in den Himmel gezweifelt, ob wir unseren Plan über die Schleuse des Abschlussdeiches und die Nordsee nach Harlingen zu fahren, wirklich angehen wollten. Angekündigt war Regen und Wind aus Nord,  also genau gegenan. Das sah gestern in der Wettervorhersage noch anders aus: Sonne, Wind aus West in Stärke 3. Perfekte Bedingungen um das Segeln auf der Nordsee auszuprobieren. Zumal auflaufendes Wasser war und wir mit Gegenstrom rechneten.

Kurz vor der Schleuse konnte man erkennen, dass die Wolken überwiegend an uns vorbeizogen. Also wagten wir es !

Die Schleusung verlief problemlos und die Nordsee begrüsste uns mit 5 Bft und einer Welle, die auch am Steinhuder Meer bei der Windstärke nicht höher ist. Also alles Bestens für die etwa 7 Meilen lange Strecke. Einen kurzen Versuch zumindest mit Vorsegel zu segeln mussten wir aufgrund der Windrichtung leider abbrechen, aber der Motor und die Strömung des auflaufenden Wassers (also kein Gegenstrom) schoben uns mit 7,5 Knoten Richtung Harlingen. Einige der Boote, die mit uns in der Schleuse waren, bogen vor der Hafeneinfahrt nach Backbord in Richtung der Inseln ab. In Harlingen waren wieder zwei Brücken zu passieren bevor wir im Noorderhaven ankamen. Es war erst 13 Uhr, so dass von der im Reiseführer angekündigten Überfüllung noch nichts zu sehen war. Aber auch den Rest des Tages gab es noch immer freie Plätze.

Das Anlegen war wieder eine neue Herausforderung in dem gezeitenabhängigen Hafenbecken. Senkrechte Stangen an der Spundwand waren prima geeignet um die Vor- und Achterleine aufzunehmen und den nötigen Ausgleich für die etwa 1,5 m Tidenhub zu bieten.

Harlingen selbst ist eine wirklich schöne friesische Kleinstadt. Das Flair ist allerdings schon eher das eines Nordseebades und nicht einer Stadt im Hinterland, wie z.B. Bolsward.  Harlingen lag aber nicht immer am Meer, sondern wurde erst im Laufe der Jahrhunderte durch Landverluste zur Hafenstadt. Also ganz anders als andere Städte in Friesland oder Noord-Holland. Hier sind einige Küstenstädte und sorgar Inseln (wie Urk) durch Landgewinnung zu Binnenstädten geworden. In Harlingen ist es eine andere Welt. Hier sind im Hafen übrigens die Segler wieder klar in der Überzahl.

Auf der Tour heute sind für mich zwei weitere Projekte klar geworden: bei ablaufendem Wasser auf einer Sandbank trocken fallen (zumindest tagsüber) und Besuche der Inseln im Wattenmeer. Auch wenn die Nordsee sicher nicht immer so ruhig wie heute ist.

Das weiße Schaaf

Der Tag startete mit leckerem Rührei auf Vollkornbrot bevor wir kurz nach 9 ablegten. Es sollte mal wieder in ein für uns noch unbekanntes Gebiet von Friesland gehen: nach Bolsward. Der Friesland Reiseführer lockte mit der Aussicht auf eine Besichtigung der Brennerei Sonnema, wo man „erleben kann, wie 71 Kräuter abgewogen, gemischt und dann in die Zugtanks gebracht werden.“ Zu einer anständigen Führung gehört natürlich auch eine Verkostung des Produktes. Also fanden wir uns, nach einem Rundgang durch die schöne und unter Denkmalschutz stehende „Hanzestad Bolsward“, um 14 Uhr zum Rundgang an der Brennerei ein. Begrüsst wurden wir in einem kleinen nett eingerichteten Museum und einem kleinen Film bei einem „Kopje Koffie“, einer Tasse Kaffee.

 

Dann ging es in die Produktion, die von dem einzigen dort anwesenden Mitarbeiter  offensichtlich extra für die Besucher gestartet wurde. Es gab zwar Körbe mit den 71 Kräutern, aber vor unseren Augen wurde aber leider nix abgewogen gemischt. Dafür konnten wir den Abfüllprozess beobachten und einen Blick in die Gärtanks, in denen die Kräuter zusammen mit 30%igem Genever für 24 Stunden ziehen, werfen. Anschließend gab es dann wahlweise ein Glas von dem Gebräu pur oder im Mix mit Cola oder Orangenbrause. Geschmacklich erinnerte das Getränk doch ziemlich an Erkältungstropfen, aber das Glas wurde natürlich tapfer ausgetrunken. Auf den Kauf einer Flasche oder Mütze oder Handschuhen oder anderem mit dem Logo verzichteten wir allerdings.

Anschließend noch kurz in den örtlichen Supermarkt um Brot zu kaufen. Am Ende  waren es dann doch wieder 50 € für diverse Lebensmittel. Ich liebe Supermärkte im Ausland ! Da gibt es sooo viel, was es bei uns nicht gibt. Vor allem die Gewürze wecken immer mein Interesse. Spannend fand ich auch die SB-Theke für Tiefkühlmeeresgetier. Lachswürfel und Shrimps in verschiedenen Sorten kann man sich selbst abfüllen und nach Gewicht bezahlen. Coole Idee, bei uns würde es wohl diverse Gesundheitsauflagen dafür geben. Dafür sucht man in den Niederlanden Bedienungstheken für zum Beispiel Wurst und Fleisch im Supermarkt vergeblich. Hier ist alles abgepackt.

Der Stadthafen hatte sich mittlerweile gut gefüllt..allerdings vor allem mit Motorbooten. Bolsward scheint für Segler nicht die erste Adresse zu sein, obwohl es aufgrund der Klappbrücken gut von Sneek und Makkum zu erreichen ist. Schade, man fühlt sich ein bisschen wie das weiße Schaaf unter vielen dunklen 😉

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