Erst Sonne, dann Sturm

9.00 Uhr ! Das war die Deadline die wir erreichen mussten, wenn wir nicht bis Mittags im Hafen festsitzen wollten. In Hoorn finden in dieser Woche die Europameisterschaften im Freiwasserschwimmen statt. Den Auftakt machen die 10 km und dafür wird ab 9.00 Uhr die Hafenausfahrt gesperrt. Die innere Uhr weckte uns zuverlässig um kurz nach 7, so dass noch genug Zeit für eine Dusche, Einkäufe im Hafenladen und ein gutes Frühstück war.

Um 8.30 Uhr verließen wir dann unseren Liegeplatz. Offenbar waren wir nicht die Einzigen, die diesen Plan hatten. Eine regelrechte Fluchtwelle von Seglern war aus den verschiedenen Häfen von Hoorn unterwegs. Als wir um 9.00 Uhr den Startschuss hörten, waren wir schon unter voller Beseglung und Rauschefahrt auf dem Weg zur etwa 7 Meilen entfernten Schleuse in Enkhuizen. Die Schleuse verbindet das Markermeer mit dem Ijselmeer und ist ein sogenanntes Naviduct, dasss heißt unter der Schleuse fahren die Autos, die über den Houtribdijk aus Lelystad kommen bzw. dort hin wollen.

Unser Ziel ist Stavoren, denn für den  nächsten Tag ist viel Wind angekündigt. 5-6 mit 7 er Böen. Da ist das Reisen auf den Kanälen in Friesland natürlich viel angenehmer.

Zunächst haben wir aber einen schönen Sonne-Wolkenmix und angenehme 3-4 Bft aus Südwest und Zeit für Mittagessen unterwegs

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Gegen 15 Uhr erreichen wir die Johann-Friso-Schleuse in Stavoren und machen kurz danach im Binnenhafen fest.

Das Schöne beim Segeln ist für mich oft, dass man einen ganz anderen Blick auf Dinge erhält, die zu Hause ganz normal sind. Das fängt mit Strom an (Gibt es Strom ? Kostet er extra ? Wo ist der Landanschluss ?). Es geht weiter mit der Dusche,  auf die man sich oft wirklich freut. Aber: wo ist das Duschhaus ? Kostet sie extra ? Was für Münzen braucht man ? Ist sie heiß genug? Nicht zu vergessen auch die Internetverbindung über WLAN, die nicht selbstverständlich ist.

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Nach einer ruhigen Nacht, in der sich gegen Morgen aber schon der aufkommende Sturm ankündigte, musste erst nochmal im Supermarkt der Vorrat aufgestockt werden.

Kurz nach 10 ging es dann zuerst unter Motor los, ab der Brücke in Warns aber mit Vorsegel. Bei achterlichem Wind um 6-7 ergab sich daraus eine angenehme Fahrt von oft über 7 Knoten über mehrere kleine Meere, das Heeger Meer, an Heeg vorbei bis zum Abzweig nach Ijlst und Sneek. In Ijlst noch kurz die Mühle passiert und schon waren wir gegen 13:30 Uhr vor dem Wassertor von Sneek. Man muss auch mal Glück haben ! Und so kam es, dass wir tatsächlich noch einen Platz mit direktem Blick auf das Tor ergattern konnten. Das Tor ist übrigens auch das Logo einer in Sneek gegründeten Segelmacherei die heute auch Bekleidung herstellt: Gaastra. Im Stadtbild von Sneek spielt die heutige Weltfirma keine Rolle. Es gibt nicht mal einen Verkaufsshop.

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Beim Stadtbummel stellte sich leider heraus, dass Sneek nicht so gemütlich ist wie zum Beispiel Hoorn oder Enkhuizen, aber eine Vielzahl an modernen Geschäften bietet. Wenigstens waren wir mal hier, nachdem ich in der ersten Woche schon 2x durch die Stadt gefahren bin ohne anzulegen.

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Alle Wetter

Gestern ging es mal wieder in die quirlige Zivilisation nach Amsterdam. Die Marina in Monnickendam ist einfach super für solche Ausflüge geeignet. Für das Tagesticket zu 10 € fährt man mit dem Bus in 25 Minuten bis Amsterdam Centraal, dem Hauptbahnhof, und wieder zurück. Wenn man nicht unbedingt direkt in der City liegen möchte eine prima Sache.

Ich habe es auch gerne, abends wieder im ruhigen Hafen zu sein..wenn nur die Mücken nicht wären !!  Nachts um 2 musste ich leider etwa achten aus der Community das Leben aushauchen weil sie mir ungefähr 10 Stiche an verschiedensten Körperteilen verpasst haben  die schnell anfingen zu jucken und mir, zusammen mit den surrenden Geräuschen den Schlaf raubten.

Heute sollte es nach Hoorn gehen. Mit 12 Meilen eine überschaubare Strecke in die Stadt der Seefahrer und Namensgeber für eine der rauesten Ecken der Welt, das berühmt Kap Hoorn. Der Tag begann mit Sonne und mäßigem Wind. Beim Motoren durch das Fahrwasser von Marken ging es vorbei an einer Armada von alten typischen Ijsselmeerseglern verschiedenster Bauart. Die teilweise an beiden Seiten der Boote  angebrachten Nummern ließen auf die Teilnehmer einer Regatta schließen. In Höhe von Edam setzte auch ich die Segel. Der Wind bließ mit 5-6 Knoten achterlich aus Südwest. Leider nervten sowohl die häufigen Winddreher um bis zu 45° die ständige Aufmerksamkeit und Anpassung der Segelstellung erforderten sowie eine Anzahl an kleinen Fliegen die sich stur vor meinem Gesicht und auf mir aufhielten. Die Fahrt mit etwa 2-3 Knoten hat hingegen immer etwas entspannendes. Zumal wenn man eine nur kurze Strecke vor sich hat und jederzeit,  wenn man doch keine Lust mehr hat, mit dem Motor schummeln kann.

Nach der Hälfte der Strecke zogen Wolken auf und der Wind nahm deutlich zu, zeitweise auf fast 20 Knoten. Mit 7 Knoten Fahrt rauschte ich auf Hoorn zu. So macht Segeln erst recht Spaß. Schade das die Strecke sooo kurz war.

In Hoorn angekommen führte der erste Weg (natürlich nach dem Havenmeester) zum Fischgeschäft „Wormsbecher“. Das ist einfach ein „must have“ bei einem Besuch in Hoorn. Vor allem, wenn es seit kurzem wieder den „nieuwe hollandse haring“ gibt. Bei uns ist er unter dem Namen Matjes bekannt. Hört sich zwar holländisch an, kennt hier aber kaum jemand unter dem Namen…außer vieleicht denen, die mit deutschen Touristen zu tun haben. Ein echter Genuss und mit dem bei uns erhältlichen Fischen gleicher Art nicht zu vergleichen.

Auf dem Rückweg zum Schiff schlug das Wetter erneut um und der Wind nahm zu Gunsten eines Dauerregens ab.

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Heute Abend gibt es zur Abwechslung mal Fisch vom Grill…wenn man schon mal ein gutes Fischgeschäft zur Verfügung hat, muss man es auch nutzen.

 

Endlich wirklich segeln..

Um 6 Uhr wache ich auf. Die innere Uhr hat sich also immer noch nicht vom normalen Arbeitsrhytmus erholt. In diesem Fall jedoch ist es gut so, denn ich wollte ja früh los.

So gönne ich mir sogar noch ein richtiges Frühstück und die Tageszeitung. Kurz das Schott geöffnet und ich spüre was ich verpasst hätte,  wenn ich später aufgestanden wäre: die unendliche Ruhe des Morgens am Wasser. Nur die vielen Vögel sind zu hören. Es ist schön. Um 20 nach Sieben werfe ich den Motor an und löse die Leine zur Boje. Es geht los. Wie weit ich fahre will ich spontan entscheiden. Erst mal raus aufs Ijsselmeer Richtung Südwesten. Leider genau die Richtung aus der der Wind später blasen wird. Egal. Erst mal los.

Sieben Meilen begleitet mich die friedliche Morgenstimmung die nur ich mit dem Motor durchbreche. Mindestens drei Reiher sehe ich am Ufer und viele andere Vögel.

Das Schleusen in Stavoren läuft problemlos und dann bin ich kurz nach neun draußen. Schnell begrüßt mich die Hackwelle vom Ijsselmeer. Das Boot zum Setzen der Segel im Wind zu halten ist kein Spaß. Das Großsegel lässt nur schwer hochziehen. Ich hätte die Mastrutscher doch vorher mit Gleitspray einsprühen sollen.

IMG-20160707-WA0001Zur Sicherheit gehe ich ins zweite Reff. Wer weiß wie sich der Wind entwickelt und wie sich das Boot verhält. Nachdem die Segel oben sind, muss ich erstmal das Hemd tauschen. Es ist klatschnass geschwitzt. Egal, Hauptsache nicht mehr den Motor hören. Das Boot läuft super, der Wind bleibt bei 3-4, so dass ich bald ohne Reff mit 5-6 Knoten unterwegs bin. Die Sonne kommt raus. Die mit einer Leine improvisierte Pinnenfixierung hält das Boot stabil auf Kurs. Ich kann entspannen und selbst kurze Aktivitäten unter Deck sind kein Problem. So muss Segeln sein. Einfach traumhaft.

Gegen Mittag bin ich in Enkhuizen. Es ist so schön und noch früh am Tag. Ich will noch nicht aufhören. Also durch die Schleuse ins Markermeer. Beim Bergen des Grossegels bekommen die Mastrutscher ihr Fett bzw. Teflon.

IMG-20160707-WA0009In der Wartezone der Schleuse werde ich für meine aufkommende Selbstsicherheit beim Anlegen längsseits schnell bestraft: wie bereits geübt mache ich nur mit der Achterleine fest und gebe leichten Schub voraus. Leider war ich zu weit von der Wand weg,  so dass der Zug anders auf den Bug wirkte. Zusammen mit dem Wind drehte er weg und auch das Bugstrahlruder brachte ihn nicht zurück. Also stand ich erstmal quer in der Fahrbahn die zum Glück breiter war als ich lang bin. Schnell kam ein nette Frau von einem anderen Boot und wollte helfen. Die 360 ° Drehung glückte ganz gut und sie wollte mich mit der Vorleine festmachen. Leider kannte sie meine Technik der Leinenbefefestigung nicht. Ich mache nämlich immer beide Enden an der Klampe fest, damit ich die Leine schnell irgendwo rüberwerfen kann. In diesem Fall führte das zu Leinendurcheinander „What’s the matter with your lines ?“. Egal. Sie fragte dann noch ob ich in der Schleuse alleine klar käme. Na logo !

Die Schleusung lief problemlos und ich war auf dem Markermeer. Der Wind kam immer noch aus Südwest, also genau aus Monnickendam dem Ziel der Tour. Also erstmal Richtung Lelystad und dann rechts ab Richtung Edam. Es war einfach nur traumhaft. Bis zum Beginn des Fahrwassers von Marken bin ich gekreuzt um keinen Moment zu verschenken.

Dann lag die Marina vor mir, nach fast 11 tollen Stunden auf dem Wasser. Den Boxenplatz hatte ich schon telefonisch bestellt. Dazu den Plan der Marina heruntergeladen. Ich wusste also genau wo ich hin muss. Alle Leinen waren vorbereitet. Ich fuhr in die Box und machte das Boot fest. Fertig ! Alles ohne Probleme und ohne  Bugstrahlruder. Geht doch…warum der erhöhte Puls vorher?  Vielleicht damit ich nicht zu selbstsicher bin sondern wachsam bleibe?

Leider war der abendliche Fussball nicht so erfolgreich. Der Livestream über WLAN war holprig wie das deutsche Spiel. Egal. Ich hatte genug Spaß heute.

Die Insel

20160706090440_IMG_8569Obwohl ich wegen des Sturms gestern doch etwas unruhig an meiner Boje war, habe ich doch recht gut geschlafen. Der Morgen begrüsste mich mit Sonne und Wolken, so dass ich mir erst einmal leckeres Rührei mit Speck geschenkt habe.

Nachdem doch noch ein Schauer kam, legte ich um 10.15 Uhr von der Boje ab und motorte in Richtung Sneek. Dort warteten zur Abwechslung mal wieder einigen Brücken auf mich, die sich aber zügig passieren ließen.

Mein Tagesziel sollte das Gaastmaar sein. Dort wollte ich mir wieder einen netten Platz suchen.

Zunächst führte mich mein Weg aber durch die gleichen Kanäle wie am zweiten Tag. Vorbei an der Postkartenidylle von Ijlst. Diesmal allerdings war die hübsche Mühle auch in Betrieb.

Im Heeger Meer entdeckte ich die Insel Leijepolle. Da hier die Marrekrite Plätze noch frei zu sein schienen wagte ich einen Abstecher. Ohne Hubkiel wäre es hier schwierig gewesen,  denn im Minimum hatte ich 1 m Wassertiefe. Die Insel hat zwei Anleger für jeweil 4 Boote außen und noch ein kleines Hafenbecken welches ich mir aussuchte um etwas geschützt zu liegen.

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Nach etwa 2 Stunden fuhr ich jedoch weiter. Der Schwell der vorbeifahrenden Motorboote erzeugte im Hafenbecken ein unruhiges Wasser das laut unter dem Heck klatschte und das ganze Boot vibrieren ließ. Außerdem scheint die Insel ein beliebtes Ziel von Jollenseglern zu sein, die ein dringendes Bedürfnis ereilt 😉

Also etwa eine Meile weiter nach Nije Kruzpole. Hier gab es auch direkt 3 freie Bojen…wie für mich gemacht. Das Gaastmeer muss also noch warten.

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13 Brücken, Sturm und Regen

20160705095526_IMG_8555Bereits der Morgen begrüßte mich mit Regen. Schade ! Gestern war es bis in den Abend hinein ein schöner Sommertag.

Vor dem Ablegen fiel mir dann aber noch ein das Kleingeld zu checken,  denn ob die Brückenwärter mit ihrem Holzschuh an der Angel auf Geldwechsel eingestellt sind bezweifele ich. Ich ging davon aus, dass ich auch auf dem Rückweg wieder die 7€ berappen darf. Dazu wollte ich ja noch durch Warga fahren, wieder ein kleiner Ort der sich mit Schiffstouris das Gemeindebudget aufbessern will. Beides war ein Trugschluss wie sich herausstellen sollte.

Wie aber möglichst viel Kleingeld beschaffen?  Am Besten durch einen strategischen Einkauf mit einem Wert von mehr als 5 aber weniger als 6 €. Wenn man dann mit einem 10 € Schein bezahlt, gibt’s genug Wechselgeld (okay, geht auch mit einem Einkauf bis 1 €). Gedacht, getan und zu „Jumbo“ gewandert. Dort etwas Kleinkram besorgt (z.B. Duftspray fürs Klo. Warum müssen die WCs auf Booten eigentlich immer muffig riechen ?)

20160705_102952.jpgDann klar zum Ablegen!  Ich habe mich direkt an ein vorbeifahrendendes Plattbodenschiff, eine Lemsteraak, gehängt. So sollte es bei der Brückenöffnung schneller gehen. Klappte in der City an den ersten vier Brücken auch super. Leider bogen meine Freiräumer dann ab nach Harlingen. Gleich vor der nächsten Brücke stand ich dann alleine. Die Zwettebrug auf dem van Harinxmakanal ist eine Kombination aus zwei Brücken. Eine für Autos und eine für den Zugverkehr. Während man in den Niederlanden kein Problem mit dem Anhalten des Autoverkehrs hat, scheint der öffentliche Bahnverkehr Vorrang zu haben. Nach dem vierten Zug und 30 Minuten warten öffnete sich die Brücke für mich. Mit mir zusammen wartete ein Motorboot. Nach 20 Minuten fiel dem Käptn dort ein, dass er locker unter der Brücke durchpasst…nachdem uns 3 etwas gleichgroße Boote entgegen kamen die auch drunter durchgefahren sind. Okay…muss man nicht verstehen. Die nächste Brücke war dann ebenfalls eine Eisenbahnbrücke mit entsprechender Wartezeit.

Die letzte Brücke von Leeuwarden schloss sich direkt vor mir hinter einem großen Binnenschiff von vorne. Der Brückenwärter gab mir ein Zeichen, dass es fünf Minuten dauern wird. HURRA ! Endlich Zeit für drängende Erledigungen. Nach 2 Stunden hatte ich dann alle acht Brücken der Stadtumfahrung hinter mich gebracht und folgte der „Nieuwe Stande Mastroute“ Richtung Warga. Bezahlen musste ich übrigens nichts….ich werde die Logik der Brückenkosten wohl nie durchblicken. Vieleicht hatte der gute Mann an der Bezahlstation auch einfach Mitleid wegen dem Schietwetter.

20160705_130208In Warga wählte ich die Strecke durch den Ort und nicht die Ortsumgehung. Stand doch dort in großen Buchstaben „Brug gratis“. Kurze nach dem Abzweig zur Ortsumgehung stand aber auch was von engem Fahrwasser. Das war nicht untertrieben. Etwa 4,5 m waren es wohl an der engsten Stelle…diese war leider direkt vor der Brücke. Die Brücke hatte allerdings Mittagspause, doch zum Glück nur noch 5 Minuten. Am Ufer standen allerdings an jedem Grundstück Schilder mit „Aanlegen verboden“. Direkt vor der Brücke fand ich an  der Außenterasse einer Pizzeria eine schmoddrige Leine, die ich um meine Achterklampe schlingen konnte. Dummerweise wollte der Brückenwärter erst das für den Ort überdimensionierte Motorboot auf der anderen Seite durchlassen. Okay, also rückwärts durch die enge Gasse, bei 5 Bft von der Seite.

Zwei weitere Brücken erwarteten mich in Grou wo ich auf den Prinses Margriet Kanal einbog. Die eigentlich geplante Tour über Akkrum ließ ich fallen, weil dort noch mehr Brücken warteten von denen ich mir nicht sicher war, ob sie zu öffnen sind.

Die erste Brücke auf dem Kanal war dann wieder eine für Eisenbahnen, die sich wie gewohnt direkt vor mir schloss. Nach 30 Minuten durfte ich dann weiter.

Nachdem ich die, zum Glück zurzeit offen stehende, Schleuse Terherne passiert hatte, empfing mich das Sneeker Meer mit Wellen und Windstärke 7. Alle von mir geplanten Marekrite Plätze lagen ungeschützt und noch dazu im flacheren Wasser. In der Nähe vom Jachthaven Sneekermeer fand ich aber 2 Bojen, die einigermaßen geschützt lagen. Mir gelang es eine einzufangen und fest zu machen. Ein ruhiger Liegeplatz ist anders, aber für die eine Nacht wird es wohl gehen. Alleine Anlegen in einem Hafen ist bei dem Wind auch kein Vergnügen.

Am Abend lässt der Wind nach und sogar die Sonne lässt sich mal blicken. Ein versöhnlicher Abschluss nach 13 Brücken, Sturm und Regen.

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Segeln im Moor und Kulturschock

Bis 8 habe ich tief und fest geschlafen. Die Ruhe macht müde, angenehm müde.

Um 9.30 Uhr habe ich die Leine zur Boje einholt und  mich auf den Weg gemacht. Das Tagesziel ist Leeuwarden, die Hauptstadt der Friesen mit 90.000 Einwohnern.

20160704095414_IMG_8514Zunächst führte mich mein Weg aber durch die Krumme Ie. Eine kurvige Strecke durch Schilf. Gesäumt von vielen kostenlosen Anlegeplätzen der Marekrite, einem Verein, der Anlegeplätze in freier Natur aufbaut und pflegt. Eine tolle Idee, die man durch den Kauf einer Flagge für 15€ unterstützen kann. Beim nächsten Mal ist das hier bestimmt auch eine Alternative. Heute will ich aber Richtung Prinsenhof fahren, einem Teil des Naturschutzgebietes Oude Venen was zu deutsch „altes Moor“ bedeutet.

Zunächst fahre ich aber eher am Rand des Gebietes über den Fokkesleat am 20160704100735_IMG_8522Campingplatz und Ferienpark Earnewoude vorbei. Der Kanal wird nicht nur von Freizeitbooten sondern auch der Binnenschifffahrt auf dem Weg zum Prinses Margriet Kanal genutzt.

Nachdem ich den Prinses Margriet Kanal  gekreuzt habe, geht es weiter nach Wartena einem schönen kleinen friesischen Ort. An der zweiten Brücke passiert es dann: ich gebe Gas um zügig durchzufahren als die Brückenwärterin  mir den Holzschuh an der Angel für das Brückengeld zuwirft. Mist ! 20160704105436_IMG_8538.JPG Habe ich nicht mit gerechnet. So bleibe ich die 2€ mit einem bedauerdem Blick und einem „Sorry“ schuldig. Mit einem empörten Blick antwortet sie „next time“. So richtig habe ich noch nicht begriffen,  welche Brücken man zahlen muss und welche nicht.

Weiter geht es über das Aquädukt Langdeel. Super. Mit dem Boot über die Autobahn hinweg. In Deutschland kenne ich das nur mit Rollbahnen von Flughäfen die über Autobahnen verlaufen.

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Auf der weiteren Strecke finde ich drei leere Marekrite Stege die ich nutze um das Anlegen längsseits alleine zu üben. Achterleinen über den Poller und dann langsam vorwärts Gas geben. „Dann kannst Du in Ruhe die Vorleine festmachen“ gab mir der Vercharterer als Tipp fürs Einhand fahren mit auf den Weg. Beim dritten Mal hat es dann auch geklappt, vorher war ich einfach zu schnell. Bis auf schwarze Streifen vom Abrieb des Holzsteges ist zum Glück nichts weiter passiert. Besser so üben als im Ernstfall Panik bekommen.

Dannn naht auch schon Leeuwarden.

20160704120131_IMG_8547Empfohlen wurde mir der Prinsentuin.Dafür muss ich aber einmal um die ganze Stadt herumfahren. Insgesamt sind acht Brücken zu passieren. Also entscheide ich mich für den Jachthaven. Ein Fehler, wie ich kurz nach dem Passieren der ersten Brücke dorthin feststelle. Ich befinde mich mitten in einem Industriegebiet inklusive einem widerlichen Gestank. Als ich dann den Jachthaven erreiche und mir dieser auch eher suspekt erscheint, drehe ich um. Es ist erst Mittag und ich mache mich auf durch die acht Brücken. Läuft auch, bis auf eine Eisenbahnbrücke die erst zwei Züge passieren müssen, problemlos. Man fährt auf die Brücke zu und bekommt schnell das rotgrüne Signal für die Vorbereitung der Durchfahrt. Aber auch hier wieder: Gestank, Industrie und Recyclingbetriebe. Dazu noch Baustellen an Brücken und Lärm. Ich beginne zu zweifeln, ob meine Entscheidung richtig war. In der Stadt selbst ebenfalls Straßenlärm und die entsprechenden Ausdünstungen. Als dann an der vorletzten Brücke noch sage und schreibe 7€ kassiert werden ist meine Stimmung weit unten. Dann aber der Prinsentuin. Eine Art Wallgraben mit hohen Bäumen und vielen freien Liegeplätzen. Wirklich hübsch und nach dem doofen Weg kaum erwartet.

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Leider stand im Boot gleichzeitig noch Wasser, so dass ich auf den Vercharterer warten musste, der dann die defekte Warmwasserleitung schnell gefunden und repariert hatte. Nachdem das Boot trocken gelegt war konnte ich unter die dringend notwendige Dusche. Der folgende Stadtbummel fiel kurz aus, begeistert hat mich die Stadt nicht. Ich denke man kann Friesland auch besuchen, ohne in Leeuwarden gewesen zu sein.

 

 

Rush Hour und Ruhe

Nachdem ich um 11 Uhr soweit war die Abfahrt aus Heeg in Angriff zu nehmen standen auch meine beiden Helfer vom Vortag wieder parat. Klasse, wenn es so hilfsbereite Zeitgenossen gibt. Beide zogen das Boot rückwärts aus der Box, so dass ich nur noch mit dem Bugstrahlruder drehen musste. Danke und Goodbye.

20160703123549_IMG_8447Mein Weg führte mich wieder über einen klassischen friesischen Kanal,  Wijde Wijmerts, direkt nach Sneek. Aufgrund der Brückensperrung quält sich der Verkehr durch die engen Kanälen von Sneek. Es ist knifflig und eng. Letztlich habe ich es mit erhöhtem Pulsschlag aber geschafft. Später kommt mir ein großer Katamaran, wohl unterwegs auf der Stande Mastroute entgegen. Viel Spaß 😀

Weiter über das Sneeker Meer und den Prinses Margriet Kanal nach Grou. Unterwegs immer wieder das Gefühl in einer mitteldeutschen Großstadt im 20160703131956_IMG_8450Feierabend Verkehr unterwegs zu sein. Viele Boote in verschiedenen Größen und Geschwindigkeiten. Grou lasse ich an Backbord liegen obwohl der Ort und vor allem das Teehaus einen Besuch wert sein sollen und biege stattdessen in das Pikmar ab. Von da ins Peanster  Ie und dann in Sitebuoster Ie ab. Dort finde ich tatsächlich noch eine freie Marekrite Boje für die Nacht. Bei 5 Bft. ist das Einfangen der Boje nicht wirklich einfach, aber ich habe ja die Herausforderung gesucht. Trotzdem wechsele ich die Boje später nochmal, weil die andere mir noch einsamer erscheint. Ich genieße die Ruhe…allerdings erst, nachdem der letzte Motorboot Flitzer auch weggefahren ist.

Nach einem schönen Sonnenuntergang wird es eine sehr ruhige Nacht. So habe ich es mir vorgestellt.

 

Auf geht’s !

20160702_122316Das Abenteuer beginnt ! Allerdings ist die Herausforderung doch größer als geplant, denn die eigentlich gebuchte Sportina 680 war nicht ganz das was ich mir vorgestellt hatte. Okay, bei einem Charterboot erwartet man ja nicht unbedingt eine super wohnliche Atmosphäre und eine nackte Plastikschale in die nur die Polster gelegt  wurden ist auch mal prima. Doch für 2 Wochen etwas sehr dürftig. Ich habe leider gemerkt, dass ich doch schon ziemlich verwöhnt bin. Die Größe wäre okay gewesen, meine Dehlya 22 ist ja ähnlich, aber das Boot war doch arg verwohnt und von einem unangenehmen Benzingeruch durchzogen.

Bei der Frage nach Alternativen waren nur noch eine Bavaria 32 und eine Feeling  32 frei. Oops ! Das erste Mal einhand und dann gleich auch fast 10 m. Die Entscheidung fiel auf die Feeling, da sie ein Bugstrahlruder hat…Dafür aber Doppelruder.  Auch nicht ganz ohne.

20160702_145843Nach dem Ablegen kam der Regen und bei mir leichte Zweifel, ob ich noch ganz klar bin. Bei 5 Bft. alleine auf fast 10 m. Auf freiem Meer vielleicht,  aber in den engen Kanälen und den noch engeren Häfen?

Ursprünglich wollte ich in Richtung Sneeker Meer fahren. Leider ist die die Brücke in Uitwellingerga aufgrund eines Schadens gesperrt, so dass wohl der Hauptverkehr durch Sneek läuft. Mit Wartezeiten an den vielen Brücken. Also erstmal nach Heeg.

20160702_163201Hier hatte ich mir den Jachthaven Eendracht ausgeguckt. Dort angekommen, war es wie erwartet eng. Am Meldesteiger kam mir schnell ein älterer Mann von einer daneben liegenden Hallberg Rassy zu Hilfe, der sah, dass ich alleine unterwegs war. Er sprach mich sofort auf holländisch an. Meine rudimentären Sprachkenntnisse kamen schnell an ihre Grenzen, als ich ihm antworten wollte. Verstanden habe ich ihn aber trotzdem. Er erinnerte mich an die Nutzung der Mittelklampe beim Anlegen. Er würde so seit Jahren sein (viel größeres Boot) damit fahren. Stimmt ! Muss ich unbedingt probieren. Beim Hafenmeister bekam ich die Auswahl zwischen 2 Plätzen, einen mit seitlichem Ausstieg. Super ! Das ist es ! Dachte ich jedenfalls bis mir klar wurde, dass ich mit einem etwas eingeschränkt drehfreudigem Schiff unterwegs bin, das zum drehen höhere Geschwindigkeit braucht. Mit dem unbekannten Boot schnell auf die Wand, die mein seitlicher Ausstieg werden sollte zuzufahren, damit ich drehen kann? Brrr !  Dazu der Wind seitlich in der schmalen Boxengasse. Es kam wie erwartet und ich lag an die Dalben vor meiner Box gedrückt. Mist. Aber auch hier sprangen sofort, trotz Regen, zwei nette Deutsche von ihren Booten um mir zu helfen. Klasse.

Später am Abend kam der eine nochmal vorbei und fragte, wann ich denn wieder los will. Er würde gerne helfen, weil er weiß wie blöde das manchmal alleine ist. Klasse. Segler sind (meistens) hilfsbereit. Von einigen wenigen Exemplaren mal abgesehen 🙂

Abends dann noch das erfolgreiche EM-Viertelfinale per Livestream…Mit niederländischen Kommentar auch interessant

Vorfreude ?

Nur noch wenige Tage bis es los geht. Mir fallen immer wieder Dinge ein, die ich unbedingt mitnehmen muss. Keine Ahnung ob ich das Zeug wirklich brauche. Erfahrungsgemäß braucht eh man immer das, was man gerade nicht mit hat.

So stapelt sich so langsam alles mögliche im Wohnzimmer. Irgendwie muss ich aber noch priorisieren, der Stauraum auf der gecharterten Sportina 680 ist ja ziemlich begrenzt.

Aber auch die Vorfreunde wird stärker. Vorfreude ? Ist es wirklich nur Vorfreunde ? Wenn ich genau in mich rein höre ist da auch einiges an so einer Art Nervosität.

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Wie wird es sein, so ganz alleine auf dem Boot ? An den Abenden ? Beim Essen ? Mit wem kann ich meine Erlebnisse des Tages teilen ? Vor den Segelmanövern habe ich keine Sorge. Wenden, Halsen, Reffen, Ausreffen und Beidrehen mache ich sowieso oft alleine. Aber bei den Hafenmanövern konnte ich mich bisher immer auf meine eingespielte Familiencrew verlassen. Wenn es kritisch wurde, konnte ich mich voll und ganz auf das Steuern und den Überblick über den Ablauf konzentrieren.
In meiner Heimatbox auf dem Steinhuder Meer, wo ich meistens alleine unterwegs bin, ist das An- und Ablegen kein Problem. Auf bei viel Wind der „falschen Richtung“ habe ich immer noch meine passend abgelängte Achterleine die ich nur über den Dalben werfen brauche. Während das Boot noch Fahrt macht, lässig auf den Seitensteg übersteigen und das Boot mit der Hand zur Vorleine bugsieren. Das sind so meine Einhand Erfahrungen im Hafen.
Jetzt eine völlig andere Situation: keine helfende Hand, in unbekannten Häfen, mit einem unbekannten Boot.IMG_0889.JPG

Aber ist es nicht genau das, weshalb ich die Tour alleine machen will ? Erleben wo meine Grenzen sind. Nur für mich alleine entscheiden was und wie ich es mache. Dann losfahren und ankommen, wann ich möchte. Auch mal vor dem Frühstück ablegen und in den Sonnenaufgang oder -untergang segeln.

Vorfreude ? Ja, es ist Vorfreude !!!

 

 

Friesland ? Ijsselmeer ?

IMG_3656_bearbeitet-1Die Region rund um das Ijsselmeer hat seit einiger Zeit für mich die Ostsee als bevorzugtes Segelrevier abgelöst. Kleine schnuckelige Orte, die Chance bei Wetteränderungen schnell mal das Ziel der Etappe zu ändern und die entspannten Vercharterer die ich kennenlernen durfte sind für mich nur einige Punkte für die Veränderung.

Ich finde, man hat auf dem Ijsselmeer nur selten das Gefühl wirklich „Binnen“ zu segeln. Man kann problemlos Tagesetappen von 25 bis 30 Meilen absolvieren aber auch nur einen kurzen Trip in den nächsten Ort. Ideal also für Familien bei denen der Nachwuchs gerne auch mal anfängt zu quengeln, wenn es langweilig oder ungemütlich wird. Bei 6-7 Beaufort baut sich jedoch schnell eine kurze steile Welle auf, die nicht angenehm ist. Die Chance, schnell im Hafen zu sein ist manchmal Gold wert.

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Eine ganz andere Erfahrung als bei Touren auf der offenen See ist das Segeln auf Kanälen . Wer es noch nicht getan hat erkennt man an dem manchmal ungläubigen Lächeln. Lautlos zwischen Feldern auf dem Wasser zu gleiten ist eine ganz andere Dimension der Fortbewegung und des Naturerlebnisses.
Die vielen alten schönen Holzboote tun ihr übriges um sich auf jeden Törn zu freuen.

Während in Deutschland noch immer über die Führerscheinfreiheit für Sportboote diskutiert wird, ist sie in unserem Nachbarland Realität. Völlig ahnungslos sollte allerdings keiner ein Boot mieten, aber das gilt für andere Reviere ja auch. Bislang habe ich noch nix davon gehört, dass auf dem Ijsselmeer mehr Schäden an Leib, Leben oder Booten entstehen als in anderen Revieren.

Vielleicht sind die Friesischen Meere und das Ijsselmeer gerade deshalb besonders geeignet für mein erstes Mal „Einhand“ ?!?

IMG_4102_bearbeitet-1Nach Jahren mit einer Reihe von Familientörns auf der Ostsee, dem Mittelmeer und dem Ijsselmeer will ich für mich die Herausforderung wagen, alles alleine an Bord zu regeln. Ohne die Anlegemanöver mit meiner eingespielten Familiencrew. Auch bei unangenehmen Bedingungen das Boot alleine beherrschen.

Was mich vor allem reizt: Jeden Tag alleine zu entscheiden wo und ob es irgendwo hingeht. Die Natur an stillen Liegeplätzen in Friesland abseits von Häfen genießen und mit mir, der Natur und dem Boot alleine zu sein. Zumindest die Illusion davon, denn wirklich außerhalb der Zivilisation ist man dort nicht wirklich.

Respekt habe ich vor allem vor den An- und Ablegen. Auf meiner Heimplatz auf dem Steinhuder Meer habe ich eine feste Achterleine, die mich in Ernstfall kurz vor dem Steg stoppt. Aber hier ? Unbekannte Liegeplätze bei womöglich ungünstigen Windverhältnissen werden meinen Blutdruck wohl steigern. Aber ich will die Herausforderung annehmen.

In den nächsten Tagen und Wochen möchte ich hier meine Gedanken und Erlebnisse während der Vorbereitung und während des Törns berichten.

Kommentare und Tipps sind immer willkommen..auf geht’s in mein persönliches Abenteuer….