Zuammenfassung der einzelnen Strecken

Die Gesamtstrecke im Überblick:

Karte Ganze Strecke

Tag 1 und 2 (Langweer – Heeg – Sitebuoster Ie)

Karte Tag 1 und 2

Tag 3 und 4 (Sitebuoster Ie – Leeuwarden – Sneeker Meer)

Karte Tag 3 und 4

Tag 5 und 6 (Sneeker Meer – Heeger Meer – Monnickendam)

Karte Tag 5 und 6

Tag 8 und 9 (Monnickendam-Hoorn-Stavoren)

Karte Tag 8 und 9

Tag 10 und 11 (Stavoren- Sneek – Bolsward)

Karte Tag 10 und 11

Tag 12 und 13 (Bolsward – Harlingen – Woudsend)

Karte Tag 12 und 13

Tag 14 (Woudsend – Langweer)

Karte Tag 14

Zurück in die Realität….

Der Rückweg von Woudsend nach Langweer hatte nochmal einiges von dem zu bieten, was Friesland ausmacht: Kanäle, Meere und schöne kleine Orte in denen die Zeit mehr oder weniger still zu stehen scheint.

Wir nutzten die Strecke um endlich auch noch Sloten kennen zu lernen. Sloten ist mit 760 Einwohnern nicht nur die kleinste Stadt der 11 friesischen Städte, sondern auch die kleinste Stadt der Niederlande insgesamt. Bei der Einwohnerzahl natürlich nicht wirklich verwunderlich.

Kurz hinter Klappbrücke, wo wir die obligatorischen 2 € Brückengeld in den Holzschuh gelegt haben, fanden wir einen praktischen Liegeplatz in Nähe zur Stadt.

Es hat sich wirklich gelohnt. Die Stadt ist wirklich niedlich, aber scheint trotz der vorhandenen Restaurants etwas verschlafen. Nur die moderne industrielle Mehlfabrik gegenüber unseres Liegeplatzes (unter Mühle stellen wir uns ja etwas anderes vor obwohl dies natürlich auch eine ist) passt nicht so recht ins Bild, deshalb hier auch kein Foto. Aber natürlich hat Sloten auch eine „richtige“ Mühle. Im Ort machten wir auch Bekanntschaft mit einer 4 beinigen Bewohnerin, die uns nicht mehr von der Seite weichen wollte.

Der Rückweg nach Langweer führte uns noch durch die Spannenburgbrücke, die mit ihrem Turm ganz Friesland zu überragen scheint.

Nachdem der Brückenwärter am Janesloot (übrigens mal wieder eine kostenlose Brücke) wohl  ein Einsehen mit den wartenden Booten hatte und seine um 13 Uhr beginnende Mittagspause um 15 Minuten verschob  (oder verkürzte) machten wir  kurze Zeit später in Langweer wieder fest.

Eine erlebnis- aber auch lehrreiche aber vor allem sehr, sehr schöne Tour ging zu Ende…..Fortsetzung folgt…ganz sicher!

…und am Ende scheint doch wieder die Sonne…

Mindestens drei Mal wurden wir heute Nacht durch einen heftigen Schlag, der das ganze Boot durchrüttelte, geweckt. Im Zwischenstadium vom Niedrig- zum Hochwasser waren die Leinen etwas locker und durch Windböen während des heftigen Regens wurden wir gegen einen Holzdalben an der Spundwand gedrückt. Mittlerweile lief das Wasser wieder ab und wir waren schon wieder ein ganzes Stück tiefer.

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Nachdem ersten Kauf von frischen Brötchen zum Frühstück auf dieser Tour legten wir um kurz nach 9 Uhr ab. Vorher haben wir aber noch beim Fischstand vorbeigeschaut, denn zum Abendessen sollte es Matjes mit Kartoffeln geben. Der hatte aber noch zu. Schade, also Resteessen am heutigen letzten Abend.

Um genau 9:25 Uhr, die Hafenbrücke öffnet sich jede Stunde um 25 und 55, ging es wieder raus auf die Nordsee. Leider mussten wir aufgrund des Wetterberichtes erneut Schietwetter erwarten. Zunächst war das Segeln aber eine reine Freude. Wind 3-4 und viel Sonne! Nach erstem Rantasten setzte  wir auch noch das Grosssegel und rauschten mit Unterstützung der Tidenströmung mit bis zu 8,5 Knoten Richtung Schleuse.

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Hinter der Schleuse entdeckten wir eine breites dunkles Wolkenband hinter uns. Bis auf ein paar Tropfen bekamen wir aber zum Glück nichts ab, sahen aber den Wolkenbruch hinter uns.

Pünktlich zum Ende der Mittagspause des Schleusenwärters erreichten wir um kurz vor 13 Uhr die Schleuse in Workum. Nach Bezahlung der in Friesland an den kleineren Schleusen üblichen 5 € durften wir sie auch wieder verlassen.

Für die Nacht hatte ich eine Boje im Grutte Gaastmeer ausgesucht. Der Wind hatte zwischenzeitlich auf 5-6 zugenommen. Leider lag die Boje in direkter Windrichtung einer intensiven Gülledüngung. Nach etwa einer halben Stunde fuhren wir aufgrund des sehr eindringlichen Geruchs weiter.

Die Luft wurde frischer und wir freuten uns auf die als Ersatz im Heeger Meer ausgesuchte Boje. Als sie gerade in Sichtweite war durchströmte erneut ein bereits bekannter Duft die Nase. Die Bauern der Umgebung wollten offensichtlich den gerade einsetzenden heftigen Regen nutzen.

Also weiter zur dritten Alternative, ebenfalls im Heeger Meer. Hier gab es frische Luft aber dafür weiterhin heftigen Wind und bewegtes Wasser. Leider ließ der Wetterberichtes keine Hoffnung auf stark abnehmenden Wind aufkommen. Nach 30 Minuten gaben wir auf und fuhren weiter nach Woudsend. Laut unserem Reiseführer „das typische friesische Dorf. “ Kanal, zwei Windmühlen, drei Kirchen und kleine Restaurants.

Er sollte Recht behalten. Woudsend ist wirklich einen Besuch wert, den wir ohne die Düfte und den Wind nicht gemacht hätten. Das erste, was wir beim Rundgang entdeckten, war ein Fischstand, der tatsächlich noch „hollandse nieuwe“, also Matjes hatte. Das Abendessen war also gesichert.

Und am Abend schien dann natürlich wieder die Sonne:-)

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Zwei Welten

Schlag 9 Uhr wurde die Autobahn 7 mit Schranken gesperrt und für  uns (und zwei Motorboote) öffnete sich die Brücke von Bolsward. Alle drei bogen wir rechts auf den Kanal in Richtung Workum ab, dem wir aber nur bis zum Abzweig nach Makkum folgen wollten. Die folgenden drei Brücken öffneten sich wie so oft noch während wir uns ihnen näherten. Die Auswirkungen auf den Straßenverkehr waren aber ungleich geringer: es gab zwar Straßen aber kaum Autos.

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir die Schleuse zum Ijsselmeer und die dunklen Wolken erreichten uns. Bereits Morgens hatten wir aufgrund des Wetterberichtes und einem Blick in den Himmel gezweifelt, ob wir unseren Plan über die Schleuse des Abschlussdeiches und die Nordsee nach Harlingen zu fahren, wirklich angehen wollten. Angekündigt war Regen und Wind aus Nord,  also genau gegenan. Das sah gestern in der Wettervorhersage noch anders aus: Sonne, Wind aus West in Stärke 3. Perfekte Bedingungen um das Segeln auf der Nordsee auszuprobieren. Zumal auflaufendes Wasser war und wir mit Gegenstrom rechneten.

Kurz vor der Schleuse konnte man erkennen, dass die Wolken überwiegend an uns vorbeizogen. Also wagten wir es !

Die Schleusung verlief problemlos und die Nordsee begrüsste uns mit 5 Bft und einer Welle, die auch am Steinhuder Meer bei der Windstärke nicht höher ist. Also alles Bestens für die etwa 7 Meilen lange Strecke. Einen kurzen Versuch zumindest mit Vorsegel zu segeln mussten wir aufgrund der Windrichtung leider abbrechen, aber der Motor und die Strömung des auflaufenden Wassers (also kein Gegenstrom) schoben uns mit 7,5 Knoten Richtung Harlingen. Einige der Boote, die mit uns in der Schleuse waren, bogen vor der Hafeneinfahrt nach Backbord in Richtung der Inseln ab. In Harlingen waren wieder zwei Brücken zu passieren bevor wir im Noorderhaven ankamen. Es war erst 13 Uhr, so dass von der im Reiseführer angekündigten Überfüllung noch nichts zu sehen war. Aber auch den Rest des Tages gab es noch immer freie Plätze.

Das Anlegen war wieder eine neue Herausforderung in dem gezeitenabhängigen Hafenbecken. Senkrechte Stangen an der Spundwand waren prima geeignet um die Vor- und Achterleine aufzunehmen und den nötigen Ausgleich für die etwa 1,5 m Tidenhub zu bieten.

Harlingen selbst ist eine wirklich schöne friesische Kleinstadt. Das Flair ist allerdings schon eher das eines Nordseebades und nicht einer Stadt im Hinterland, wie z.B. Bolsward.  Harlingen lag aber nicht immer am Meer, sondern wurde erst im Laufe der Jahrhunderte durch Landverluste zur Hafenstadt. Also ganz anders als andere Städte in Friesland oder Noord-Holland. Hier sind einige Küstenstädte und sorgar Inseln (wie Urk) durch Landgewinnung zu Binnenstädten geworden. In Harlingen ist es eine andere Welt. Hier sind im Hafen übrigens die Segler wieder klar in der Überzahl.

Auf der Tour heute sind für mich zwei weitere Projekte klar geworden: bei ablaufendem Wasser auf einer Sandbank trocken fallen (zumindest tagsüber) und Besuche der Inseln im Wattenmeer. Auch wenn die Nordsee sicher nicht immer so ruhig wie heute ist.

Das weiße Schaaf

Der Tag startete mit leckerem Rührei auf Vollkornbrot bevor wir kurz nach 9 ablegten. Es sollte mal wieder in ein für uns noch unbekanntes Gebiet von Friesland gehen: nach Bolsward. Der Friesland Reiseführer lockte mit der Aussicht auf eine Besichtigung der Brennerei Sonnema, wo man „erleben kann, wie 71 Kräuter abgewogen, gemischt und dann in die Zugtanks gebracht werden.“ Zu einer anständigen Führung gehört natürlich auch eine Verkostung des Produktes. Also fanden wir uns, nach einem Rundgang durch die schöne und unter Denkmalschutz stehende „Hanzestad Bolsward“, um 14 Uhr zum Rundgang an der Brennerei ein. Begrüsst wurden wir in einem kleinen nett eingerichteten Museum und einem kleinen Film bei einem „Kopje Koffie“, einer Tasse Kaffee.

 

Dann ging es in die Produktion, die von dem einzigen dort anwesenden Mitarbeiter  offensichtlich extra für die Besucher gestartet wurde. Es gab zwar Körbe mit den 71 Kräutern, aber vor unseren Augen wurde aber leider nix abgewogen gemischt. Dafür konnten wir den Abfüllprozess beobachten und einen Blick in die Gärtanks, in denen die Kräuter zusammen mit 30%igem Genever für 24 Stunden ziehen, werfen. Anschließend gab es dann wahlweise ein Glas von dem Gebräu pur oder im Mix mit Cola oder Orangenbrause. Geschmacklich erinnerte das Getränk doch ziemlich an Erkältungstropfen, aber das Glas wurde natürlich tapfer ausgetrunken. Auf den Kauf einer Flasche oder Mütze oder Handschuhen oder anderem mit dem Logo verzichteten wir allerdings.

Anschließend noch kurz in den örtlichen Supermarkt um Brot zu kaufen. Am Ende  waren es dann doch wieder 50 € für diverse Lebensmittel. Ich liebe Supermärkte im Ausland ! Da gibt es sooo viel, was es bei uns nicht gibt. Vor allem die Gewürze wecken immer mein Interesse. Spannend fand ich auch die SB-Theke für Tiefkühlmeeresgetier. Lachswürfel und Shrimps in verschiedenen Sorten kann man sich selbst abfüllen und nach Gewicht bezahlen. Coole Idee, bei uns würde es wohl diverse Gesundheitsauflagen dafür geben. Dafür sucht man in den Niederlanden Bedienungstheken für zum Beispiel Wurst und Fleisch im Supermarkt vergeblich. Hier ist alles abgepackt.

Der Stadthafen hatte sich mittlerweile gut gefüllt..allerdings vor allem mit Motorbooten. Bolsward scheint für Segler nicht die erste Adresse zu sein, obwohl es aufgrund der Klappbrücken gut von Sneek und Makkum zu erreichen ist. Schade, man fühlt sich ein bisschen wie das weiße Schaaf unter vielen dunklen 😉

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Erst Sonne, dann Sturm

9.00 Uhr ! Das war die Deadline die wir erreichen mussten, wenn wir nicht bis Mittags im Hafen festsitzen wollten. In Hoorn finden in dieser Woche die Europameisterschaften im Freiwasserschwimmen statt. Den Auftakt machen die 10 km und dafür wird ab 9.00 Uhr die Hafenausfahrt gesperrt. Die innere Uhr weckte uns zuverlässig um kurz nach 7, so dass noch genug Zeit für eine Dusche, Einkäufe im Hafenladen und ein gutes Frühstück war.

Um 8.30 Uhr verließen wir dann unseren Liegeplatz. Offenbar waren wir nicht die Einzigen, die diesen Plan hatten. Eine regelrechte Fluchtwelle von Seglern war aus den verschiedenen Häfen von Hoorn unterwegs. Als wir um 9.00 Uhr den Startschuss hörten, waren wir schon unter voller Beseglung und Rauschefahrt auf dem Weg zur etwa 7 Meilen entfernten Schleuse in Enkhuizen. Die Schleuse verbindet das Markermeer mit dem Ijselmeer und ist ein sogenanntes Naviduct, dasss heißt unter der Schleuse fahren die Autos, die über den Houtribdijk aus Lelystad kommen bzw. dort hin wollen.

Unser Ziel ist Stavoren, denn für den  nächsten Tag ist viel Wind angekündigt. 5-6 mit 7 er Böen. Da ist das Reisen auf den Kanälen in Friesland natürlich viel angenehmer.

Zunächst haben wir aber einen schönen Sonne-Wolkenmix und angenehme 3-4 Bft aus Südwest und Zeit für Mittagessen unterwegs

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Gegen 15 Uhr erreichen wir die Johann-Friso-Schleuse in Stavoren und machen kurz danach im Binnenhafen fest.

Das Schöne beim Segeln ist für mich oft, dass man einen ganz anderen Blick auf Dinge erhält, die zu Hause ganz normal sind. Das fängt mit Strom an (Gibt es Strom ? Kostet er extra ? Wo ist der Landanschluss ?). Es geht weiter mit der Dusche,  auf die man sich oft wirklich freut. Aber: wo ist das Duschhaus ? Kostet sie extra ? Was für Münzen braucht man ? Ist sie heiß genug? Nicht zu vergessen auch die Internetverbindung über WLAN, die nicht selbstverständlich ist.

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Nach einer ruhigen Nacht, in der sich gegen Morgen aber schon der aufkommende Sturm ankündigte, musste erst nochmal im Supermarkt der Vorrat aufgestockt werden.

Kurz nach 10 ging es dann zuerst unter Motor los, ab der Brücke in Warns aber mit Vorsegel. Bei achterlichem Wind um 6-7 ergab sich daraus eine angenehme Fahrt von oft über 7 Knoten über mehrere kleine Meere, das Heeger Meer, an Heeg vorbei bis zum Abzweig nach Ijlst und Sneek. In Ijlst noch kurz die Mühle passiert und schon waren wir gegen 13:30 Uhr vor dem Wassertor von Sneek. Man muss auch mal Glück haben ! Und so kam es, dass wir tatsächlich noch einen Platz mit direktem Blick auf das Tor ergattern konnten. Das Tor ist übrigens auch das Logo einer in Sneek gegründeten Segelmacherei die heute auch Bekleidung herstellt: Gaastra. Im Stadtbild von Sneek spielt die heutige Weltfirma keine Rolle. Es gibt nicht mal einen Verkaufsshop.

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Beim Stadtbummel stellte sich leider heraus, dass Sneek nicht so gemütlich ist wie zum Beispiel Hoorn oder Enkhuizen, aber eine Vielzahl an modernen Geschäften bietet. Wenigstens waren wir mal hier, nachdem ich in der ersten Woche schon 2x durch die Stadt gefahren bin ohne anzulegen.

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Alle Wetter

Gestern ging es mal wieder in die quirlige Zivilisation nach Amsterdam. Die Marina in Monnickendam ist einfach super für solche Ausflüge geeignet. Für das Tagesticket zu 10 € fährt man mit dem Bus in 25 Minuten bis Amsterdam Centraal, dem Hauptbahnhof, und wieder zurück. Wenn man nicht unbedingt direkt in der City liegen möchte eine prima Sache.

Ich habe es auch gerne, abends wieder im ruhigen Hafen zu sein..wenn nur die Mücken nicht wären !!  Nachts um 2 musste ich leider etwa achten aus der Community das Leben aushauchen weil sie mir ungefähr 10 Stiche an verschiedensten Körperteilen verpasst haben  die schnell anfingen zu jucken und mir, zusammen mit den surrenden Geräuschen den Schlaf raubten.

Heute sollte es nach Hoorn gehen. Mit 12 Meilen eine überschaubare Strecke in die Stadt der Seefahrer und Namensgeber für eine der rauesten Ecken der Welt, das berühmt Kap Hoorn. Der Tag begann mit Sonne und mäßigem Wind. Beim Motoren durch das Fahrwasser von Marken ging es vorbei an einer Armada von alten typischen Ijsselmeerseglern verschiedenster Bauart. Die teilweise an beiden Seiten der Boote  angebrachten Nummern ließen auf die Teilnehmer einer Regatta schließen. In Höhe von Edam setzte auch ich die Segel. Der Wind bließ mit 5-6 Knoten achterlich aus Südwest. Leider nervten sowohl die häufigen Winddreher um bis zu 45° die ständige Aufmerksamkeit und Anpassung der Segelstellung erforderten sowie eine Anzahl an kleinen Fliegen die sich stur vor meinem Gesicht und auf mir aufhielten. Die Fahrt mit etwa 2-3 Knoten hat hingegen immer etwas entspannendes. Zumal wenn man eine nur kurze Strecke vor sich hat und jederzeit,  wenn man doch keine Lust mehr hat, mit dem Motor schummeln kann.

Nach der Hälfte der Strecke zogen Wolken auf und der Wind nahm deutlich zu, zeitweise auf fast 20 Knoten. Mit 7 Knoten Fahrt rauschte ich auf Hoorn zu. So macht Segeln erst recht Spaß. Schade das die Strecke sooo kurz war.

In Hoorn angekommen führte der erste Weg (natürlich nach dem Havenmeester) zum Fischgeschäft „Wormsbecher“. Das ist einfach ein „must have“ bei einem Besuch in Hoorn. Vor allem, wenn es seit kurzem wieder den „nieuwe hollandse haring“ gibt. Bei uns ist er unter dem Namen Matjes bekannt. Hört sich zwar holländisch an, kennt hier aber kaum jemand unter dem Namen…außer vieleicht denen, die mit deutschen Touristen zu tun haben. Ein echter Genuss und mit dem bei uns erhältlichen Fischen gleicher Art nicht zu vergleichen.

Auf dem Rückweg zum Schiff schlug das Wetter erneut um und der Wind nahm zu Gunsten eines Dauerregens ab.

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Heute Abend gibt es zur Abwechslung mal Fisch vom Grill…wenn man schon mal ein gutes Fischgeschäft zur Verfügung hat, muss man es auch nutzen.

 

Endlich wirklich segeln..

Um 6 Uhr wache ich auf. Die innere Uhr hat sich also immer noch nicht vom normalen Arbeitsrhytmus erholt. In diesem Fall jedoch ist es gut so, denn ich wollte ja früh los.

So gönne ich mir sogar noch ein richtiges Frühstück und die Tageszeitung. Kurz das Schott geöffnet und ich spüre was ich verpasst hätte,  wenn ich später aufgestanden wäre: die unendliche Ruhe des Morgens am Wasser. Nur die vielen Vögel sind zu hören. Es ist schön. Um 20 nach Sieben werfe ich den Motor an und löse die Leine zur Boje. Es geht los. Wie weit ich fahre will ich spontan entscheiden. Erst mal raus aufs Ijsselmeer Richtung Südwesten. Leider genau die Richtung aus der der Wind später blasen wird. Egal. Erst mal los.

Sieben Meilen begleitet mich die friedliche Morgenstimmung die nur ich mit dem Motor durchbreche. Mindestens drei Reiher sehe ich am Ufer und viele andere Vögel.

Das Schleusen in Stavoren läuft problemlos und dann bin ich kurz nach neun draußen. Schnell begrüßt mich die Hackwelle vom Ijsselmeer. Das Boot zum Setzen der Segel im Wind zu halten ist kein Spaß. Das Großsegel lässt nur schwer hochziehen. Ich hätte die Mastrutscher doch vorher mit Gleitspray einsprühen sollen.

IMG-20160707-WA0001Zur Sicherheit gehe ich ins zweite Reff. Wer weiß wie sich der Wind entwickelt und wie sich das Boot verhält. Nachdem die Segel oben sind, muss ich erstmal das Hemd tauschen. Es ist klatschnass geschwitzt. Egal, Hauptsache nicht mehr den Motor hören. Das Boot läuft super, der Wind bleibt bei 3-4, so dass ich bald ohne Reff mit 5-6 Knoten unterwegs bin. Die Sonne kommt raus. Die mit einer Leine improvisierte Pinnenfixierung hält das Boot stabil auf Kurs. Ich kann entspannen und selbst kurze Aktivitäten unter Deck sind kein Problem. So muss Segeln sein. Einfach traumhaft.

Gegen Mittag bin ich in Enkhuizen. Es ist so schön und noch früh am Tag. Ich will noch nicht aufhören. Also durch die Schleuse ins Markermeer. Beim Bergen des Grossegels bekommen die Mastrutscher ihr Fett bzw. Teflon.

IMG-20160707-WA0009In der Wartezone der Schleuse werde ich für meine aufkommende Selbstsicherheit beim Anlegen längsseits schnell bestraft: wie bereits geübt mache ich nur mit der Achterleine fest und gebe leichten Schub voraus. Leider war ich zu weit von der Wand weg,  so dass der Zug anders auf den Bug wirkte. Zusammen mit dem Wind drehte er weg und auch das Bugstrahlruder brachte ihn nicht zurück. Also stand ich erstmal quer in der Fahrbahn die zum Glück breiter war als ich lang bin. Schnell kam ein nette Frau von einem anderen Boot und wollte helfen. Die 360 ° Drehung glückte ganz gut und sie wollte mich mit der Vorleine festmachen. Leider kannte sie meine Technik der Leinenbefefestigung nicht. Ich mache nämlich immer beide Enden an der Klampe fest, damit ich die Leine schnell irgendwo rüberwerfen kann. In diesem Fall führte das zu Leinendurcheinander „What’s the matter with your lines ?“. Egal. Sie fragte dann noch ob ich in der Schleuse alleine klar käme. Na logo !

Die Schleusung lief problemlos und ich war auf dem Markermeer. Der Wind kam immer noch aus Südwest, also genau aus Monnickendam dem Ziel der Tour. Also erstmal Richtung Lelystad und dann rechts ab Richtung Edam. Es war einfach nur traumhaft. Bis zum Beginn des Fahrwassers von Marken bin ich gekreuzt um keinen Moment zu verschenken.

Dann lag die Marina vor mir, nach fast 11 tollen Stunden auf dem Wasser. Den Boxenplatz hatte ich schon telefonisch bestellt. Dazu den Plan der Marina heruntergeladen. Ich wusste also genau wo ich hin muss. Alle Leinen waren vorbereitet. Ich fuhr in die Box und machte das Boot fest. Fertig ! Alles ohne Probleme und ohne  Bugstrahlruder. Geht doch…warum der erhöhte Puls vorher?  Vielleicht damit ich nicht zu selbstsicher bin sondern wachsam bleibe?

Leider war der abendliche Fussball nicht so erfolgreich. Der Livestream über WLAN war holprig wie das deutsche Spiel. Egal. Ich hatte genug Spaß heute.

Die Insel

20160706090440_IMG_8569Obwohl ich wegen des Sturms gestern doch etwas unruhig an meiner Boje war, habe ich doch recht gut geschlafen. Der Morgen begrüsste mich mit Sonne und Wolken, so dass ich mir erst einmal leckeres Rührei mit Speck geschenkt habe.

Nachdem doch noch ein Schauer kam, legte ich um 10.15 Uhr von der Boje ab und motorte in Richtung Sneek. Dort warteten zur Abwechslung mal wieder einigen Brücken auf mich, die sich aber zügig passieren ließen.

Mein Tagesziel sollte das Gaastmaar sein. Dort wollte ich mir wieder einen netten Platz suchen.

Zunächst führte mich mein Weg aber durch die gleichen Kanäle wie am zweiten Tag. Vorbei an der Postkartenidylle von Ijlst. Diesmal allerdings war die hübsche Mühle auch in Betrieb.

Im Heeger Meer entdeckte ich die Insel Leijepolle. Da hier die Marrekrite Plätze noch frei zu sein schienen wagte ich einen Abstecher. Ohne Hubkiel wäre es hier schwierig gewesen,  denn im Minimum hatte ich 1 m Wassertiefe. Die Insel hat zwei Anleger für jeweil 4 Boote außen und noch ein kleines Hafenbecken welches ich mir aussuchte um etwas geschützt zu liegen.

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Nach etwa 2 Stunden fuhr ich jedoch weiter. Der Schwell der vorbeifahrenden Motorboote erzeugte im Hafenbecken ein unruhiges Wasser das laut unter dem Heck klatschte und das ganze Boot vibrieren ließ. Außerdem scheint die Insel ein beliebtes Ziel von Jollenseglern zu sein, die ein dringendes Bedürfnis ereilt 😉

Also etwa eine Meile weiter nach Nije Kruzpole. Hier gab es auch direkt 3 freie Bojen…wie für mich gemacht. Das Gaastmeer muss also noch warten.

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13 Brücken, Sturm und Regen

20160705095526_IMG_8555Bereits der Morgen begrüßte mich mit Regen. Schade ! Gestern war es bis in den Abend hinein ein schöner Sommertag.

Vor dem Ablegen fiel mir dann aber noch ein das Kleingeld zu checken,  denn ob die Brückenwärter mit ihrem Holzschuh an der Angel auf Geldwechsel eingestellt sind bezweifele ich. Ich ging davon aus, dass ich auch auf dem Rückweg wieder die 7€ berappen darf. Dazu wollte ich ja noch durch Warga fahren, wieder ein kleiner Ort der sich mit Schiffstouris das Gemeindebudget aufbessern will. Beides war ein Trugschluss wie sich herausstellen sollte.

Wie aber möglichst viel Kleingeld beschaffen?  Am Besten durch einen strategischen Einkauf mit einem Wert von mehr als 5 aber weniger als 6 €. Wenn man dann mit einem 10 € Schein bezahlt, gibt’s genug Wechselgeld (okay, geht auch mit einem Einkauf bis 1 €). Gedacht, getan und zu „Jumbo“ gewandert. Dort etwas Kleinkram besorgt (z.B. Duftspray fürs Klo. Warum müssen die WCs auf Booten eigentlich immer muffig riechen ?)

20160705_102952.jpgDann klar zum Ablegen!  Ich habe mich direkt an ein vorbeifahrendendes Plattbodenschiff, eine Lemsteraak, gehängt. So sollte es bei der Brückenöffnung schneller gehen. Klappte in der City an den ersten vier Brücken auch super. Leider bogen meine Freiräumer dann ab nach Harlingen. Gleich vor der nächsten Brücke stand ich dann alleine. Die Zwettebrug auf dem van Harinxmakanal ist eine Kombination aus zwei Brücken. Eine für Autos und eine für den Zugverkehr. Während man in den Niederlanden kein Problem mit dem Anhalten des Autoverkehrs hat, scheint der öffentliche Bahnverkehr Vorrang zu haben. Nach dem vierten Zug und 30 Minuten warten öffnete sich die Brücke für mich. Mit mir zusammen wartete ein Motorboot. Nach 20 Minuten fiel dem Käptn dort ein, dass er locker unter der Brücke durchpasst…nachdem uns 3 etwas gleichgroße Boote entgegen kamen die auch drunter durchgefahren sind. Okay…muss man nicht verstehen. Die nächste Brücke war dann ebenfalls eine Eisenbahnbrücke mit entsprechender Wartezeit.

Die letzte Brücke von Leeuwarden schloss sich direkt vor mir hinter einem großen Binnenschiff von vorne. Der Brückenwärter gab mir ein Zeichen, dass es fünf Minuten dauern wird. HURRA ! Endlich Zeit für drängende Erledigungen. Nach 2 Stunden hatte ich dann alle acht Brücken der Stadtumfahrung hinter mich gebracht und folgte der „Nieuwe Stande Mastroute“ Richtung Warga. Bezahlen musste ich übrigens nichts….ich werde die Logik der Brückenkosten wohl nie durchblicken. Vieleicht hatte der gute Mann an der Bezahlstation auch einfach Mitleid wegen dem Schietwetter.

20160705_130208In Warga wählte ich die Strecke durch den Ort und nicht die Ortsumgehung. Stand doch dort in großen Buchstaben „Brug gratis“. Kurze nach dem Abzweig zur Ortsumgehung stand aber auch was von engem Fahrwasser. Das war nicht untertrieben. Etwa 4,5 m waren es wohl an der engsten Stelle…diese war leider direkt vor der Brücke. Die Brücke hatte allerdings Mittagspause, doch zum Glück nur noch 5 Minuten. Am Ufer standen allerdings an jedem Grundstück Schilder mit „Aanlegen verboden“. Direkt vor der Brücke fand ich an  der Außenterasse einer Pizzeria eine schmoddrige Leine, die ich um meine Achterklampe schlingen konnte. Dummerweise wollte der Brückenwärter erst das für den Ort überdimensionierte Motorboot auf der anderen Seite durchlassen. Okay, also rückwärts durch die enge Gasse, bei 5 Bft von der Seite.

Zwei weitere Brücken erwarteten mich in Grou wo ich auf den Prinses Margriet Kanal einbog. Die eigentlich geplante Tour über Akkrum ließ ich fallen, weil dort noch mehr Brücken warteten von denen ich mir nicht sicher war, ob sie zu öffnen sind.

Die erste Brücke auf dem Kanal war dann wieder eine für Eisenbahnen, die sich wie gewohnt direkt vor mir schloss. Nach 30 Minuten durfte ich dann weiter.

Nachdem ich die, zum Glück zurzeit offen stehende, Schleuse Terherne passiert hatte, empfing mich das Sneeker Meer mit Wellen und Windstärke 7. Alle von mir geplanten Marekrite Plätze lagen ungeschützt und noch dazu im flacheren Wasser. In der Nähe vom Jachthaven Sneekermeer fand ich aber 2 Bojen, die einigermaßen geschützt lagen. Mir gelang es eine einzufangen und fest zu machen. Ein ruhiger Liegeplatz ist anders, aber für die eine Nacht wird es wohl gehen. Alleine Anlegen in einem Hafen ist bei dem Wind auch kein Vergnügen.

Am Abend lässt der Wind nach und sogar die Sonne lässt sich mal blicken. Ein versöhnlicher Abschluss nach 13 Brücken, Sturm und Regen.

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